Ran

Ran

Japan, Frankreich 1985

Deutscher Titel: Ran

Länge: 160 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Hideo Oguni, Masato Ide

Produktion: Masato Hara, Serge Silberman

Musik: Toru Takemitsu

Kamera: Masaharu Ueda, Asakazu Nakai, Takao Saito

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Tatsuya Nakadai (Hidetora Ichimonji), Akira Terao (Taro Takatora Ichimonji), Jinpachi Nezu (Jiro Masatora Ichimonji), Daisuke Ryu (Saburo Naotora Ichimonji), Mieko Harada (Dame Kaede), Yoshiko Miyazaki (Dame Sué), Peter (Hofnarr).

Anmerkung: Der alte Fürst Hidetora Ichimonji hat lange und erfolgreich das Leben eines feudalen Kriegsherrn geführt, der seine Herrschaft durch verheerende territoriale Kämpfe markierte und seine Feinde verfolgte und mit äußerster Härte bestrafte. Während eines Jagdausfluges kündigt er in Gegenwart von benachbarten Feudalherren seinen Rücktritt von der Macht an. Er gibt die oberste Macht an seinen ältesten Sohn Taro ab in der Hoffnung, die ihm verbleibenden Jahre nun in Frieden leben zu können. Zwei regionale Festungen übergibt er seinen jüngeren Söhnen Jiro und Saburo und fordert von ihnen Unterstützung und Respekt für Taro. Er veranschaulicht die Stärke der Solidarität, indem er zeigt, dass man einzelne Pfeile leicht zerbrechen kann, aber drei Pfeile zusammen erheblich beständiger sind. Saburo kritisiert Hidetoras Plan, der auf die Treue der älteren Söhne baut und die Bewahrung eines einheitlichen Ichimonji-Reiches erwartet. Er warnt Hidetora, dass seine Handlungen in Chaos („ran“) und Bürgerkrieg führen werden. Hidetora zeigt sich beleidigt durch Saburo und schickt ihn ins Exil. Doch als sich Hidetora zur Ruhe auf Taros Burg zurückziehen will, erweist sich dieser als wenig respektvoll und loyal. Hidetora beschließt, seinen Wohnsitz auf Jiros Burg zu verlegen, nur um herauszufinden, dass Taro eine Nachricht zu seinem Bruder geschickt hat, der ihn ebenfalls zurückweist. In beiden Festungen unwillkommen, siedelt er zur dritten Festung um, muss jedoch feststellen, dass die Brüder in einem blutigen Bürgerkrieg versuchen, jeweils selbst die Kontrolle über das Reich zu erlangen. Angesichts der immer blutigeren Infernos verliert er den Verstand und wird am Ende nur noch von seinem androgynen Hofnarren begleitet. – Adaptiert von William Shakespeares Drama „King Lear“ sowie Elementen der japanischen Folklore und Geschichte, erzählt Ran eine epische Fabel über Ehrgeiz, Hybris, Alter und die Bosheit der menschlichen Natur. Ran war Kurosawas letzter epischer Film und sein mit Abstand teuerster: Gedreht mit französischen Geldern von Serge Silberman, kostete er 12 Millionen Dollar, was ihn damals zum teuersten japanischen Film machte. Die Dreharbeiten hatten bereits 1983 begonnen, wobei 1400 Uniformen und Rüstungen Verwendung fanden – entworfen von Emi Wada und geschneidert und künstlich gealtert über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die im Film präsenten 200 Pferde mussten zum Teil von Übersee eingeflogen werden, da es auf den japanischen Inseln nicht genug geeignete Tiere gab. Kurosawa beschloss zu dem, den Film inmitten der Berge und Ebenen des Berges Aso, Japans größtem aktivem Vulkan zu drehen. Zudem erreichte er es, auf den historischen Festungen Kumamoto und Himeji filmen zu dürfen. Der französische Essayfilmer Chris Marker filmte während der Dreharbeiten zu Ran die Dokumentation A.K. (1985), einen sehr intensiven Einblick in Kurosawas Regiearbeit. Dort relativiert dieser den vorangehenden Kagemusha als „Kostümprobe“ für Ran, den er als den eigentlichen Film zum Thema sah. Ran greift das Vater-Sohn-Motiv wieder auf, das er früher entwickelt hatte, nur dass es hier zum dreiteiligen ‚Motor’ des Geschehens wird. Und wie bei Kagemusha drehte Kurosawa hier im stark gemäßigten ‚europäischen’ Breitwandformat 1,66:1, was die Bildkomposition wieder eher in die Höhe orientiert (im Gegensatz zu seinem extremen Breitwandfilm Uzala etwa). Zudem kehrte Kurosawa zu dem Blutvergießen aus Yojimbo und Sanjuro zurück, was hier in expressiven Farben ästhetisiert wird.

Das Schloss im Spinnwebwald

Kumonosu-jo

Japan 1957

Deutscher Titel: Das Schloss im Spinnwebwald

Länge: 105 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto, Ryuzo Kikushima; nach einem Drama von William Shakespeare

Produktion: Akira Kurosawa, Sojiro Motoki

Musik: Masaru Sato

Kamera: Asakazu Nakai

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Toshiro Mifune (Taketori Washizu), Isuzu Yamada (Asaji, seine Frau), Akira Kubo (Yoshiteru Miki).

Anmerkung: Die Samurai Washizu und Miki sind nach erfolgreichem Kampf auf dem Rückweg zu ihrem Fürsten. Auf ihrem Weg verirren sie sich im legendären Spinnwebwald und treffen auf einen Geist, der Miki die Herrschaft über die ‚Erste Festung‘ und Washizu die Macht über das ‚Nordhaus’ prophezeit. Später soll Washizu zum Nachfolger des Fürsten werden, ein Sohn Mikis werde ihn aber ablösen. Noch am selben Tag bewahrheitet sich die erste Prophezeiung. Washizus machtgierige Frau Asaji bedrängt ihren Gatten, den Fürsten zu töten, um dessen Stelle einzunehmen und so die zweite Vorhersage zu erfüllen. Trotz erheblicher Gewissenskonflikte fügt sich Washizu und erlangt tatsächlich die Herrschaft über das Reich. Um den Rest der Prophezeiung nun zu verhindern, nötigt ihn Asaji, den Befehl zu geben, auch seinen Freund Miki und dessen Sohn zu töten – dann gehöre die Macht ihm und niemand wisse um die eigentliche Weissagung. Mikis Sohn kann dem Anschlag entkommen und verbündet sich mit dem Sohn des alten Fürsten. Als ihre Heere auf das Schloss marschieren, sucht Washizu noch einmal den Geist im Spinnwebwald auf. Dieser prophezeit Washizu, er könne so lange nicht besiegt werden, als nicht der Wald selbst an sein Schloss heranrücke. Voller Freude kehrt Washizu zurück und verkündet die Prophezeiung. Doch bald nähern sich die Bäume des Spinnwebwaldes tatsächlich, da das feindliche Heer diese als Deckung vor sich her trägt. Voller Furcht töten Washizus Männer ihren eigenen Anführer in einem Pfeilhagel. – Das Schloss im Spinnwebwald kann als freie Adaption von Shakespeares Drama „Macbeth“ gesehen werden, wobei Kurosawa im Rahmen seiner transkulturellen Übertragung keine Originaldialoge übernahm. Um eine mystische Umgebung zur Verfügung zu haben, ließ er den Außenbereich der Festung nahe dem heiligen Berg Fuji bauen. Der Schlosshof wurde dann in den Tamagawa Studios gebaut, in die der vulkanische Boden des Fuji-san gebracht wurde, so dass es keine Kontinuitätsprobleme gab. Die nebelüberzogenen Waldszenen waren eine Kombination von Aufnahmen des tatsächlichen Fuji-Bergwaldes und von Studioaufnahmen in Tokio. Washizus Herrenhaus wurde wie bei Die sieben Samurai auf der Izu-Halbinsel errichtet. Kurosawa nutzte den Nebel um Fuji-san als Basismotiv für den gesamten Film. Für Washizus berühmte Todesszene wurde Mifune mit echten Pfeilen beschossen, deren Richtung er mit abgesprochenen Gesten dirigierte. Dieser Authentizismus hilft Mifune zweifellos, die Todesangst zu vermitteln.