Ran

Ran

Japan, Frankreich 1985

Deutscher Titel: Ran

Länge: 160 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Hideo Oguni, Masato Ide

Produktion: Masato Hara, Serge Silberman

Musik: Toru Takemitsu

Kamera: Masaharu Ueda, Asakazu Nakai, Takao Saito

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Tatsuya Nakadai (Hidetora Ichimonji), Akira Terao (Taro Takatora Ichimonji), Jinpachi Nezu (Jiro Masatora Ichimonji), Daisuke Ryu (Saburo Naotora Ichimonji), Mieko Harada (Dame Kaede), Yoshiko Miyazaki (Dame Sué), Peter (Hofnarr).

Anmerkung: Der alte Fürst Hidetora Ichimonji hat lange und erfolgreich das Leben eines feudalen Kriegsherrn geführt, der seine Herrschaft durch verheerende territoriale Kämpfe markierte und seine Feinde verfolgte und mit äußerster Härte bestrafte. Während eines Jagdausfluges kündigt er in Gegenwart von benachbarten Feudalherren seinen Rücktritt von der Macht an. Er gibt die oberste Macht an seinen ältesten Sohn Taro ab in der Hoffnung, die ihm verbleibenden Jahre nun in Frieden leben zu können. Zwei regionale Festungen übergibt er seinen jüngeren Söhnen Jiro und Saburo und fordert von ihnen Unterstützung und Respekt für Taro. Er veranschaulicht die Stärke der Solidarität, indem er zeigt, dass man einzelne Pfeile leicht zerbrechen kann, aber drei Pfeile zusammen erheblich beständiger sind. Saburo kritisiert Hidetoras Plan, der auf die Treue der älteren Söhne baut und die Bewahrung eines einheitlichen Ichimonji-Reiches erwartet. Er warnt Hidetora, dass seine Handlungen in Chaos („ran“) und Bürgerkrieg führen werden. Hidetora zeigt sich beleidigt durch Saburo und schickt ihn ins Exil. Doch als sich Hidetora zur Ruhe auf Taros Burg zurückziehen will, erweist sich dieser als wenig respektvoll und loyal. Hidetora beschließt, seinen Wohnsitz auf Jiros Burg zu verlegen, nur um herauszufinden, dass Taro eine Nachricht zu seinem Bruder geschickt hat, der ihn ebenfalls zurückweist. In beiden Festungen unwillkommen, siedelt er zur dritten Festung um, muss jedoch feststellen, dass die Brüder in einem blutigen Bürgerkrieg versuchen, jeweils selbst die Kontrolle über das Reich zu erlangen. Angesichts der immer blutigeren Infernos verliert er den Verstand und wird am Ende nur noch von seinem androgynen Hofnarren begleitet. – Adaptiert von William Shakespeares Drama „King Lear“ sowie Elementen der japanischen Folklore und Geschichte, erzählt Ran eine epische Fabel über Ehrgeiz, Hybris, Alter und die Bosheit der menschlichen Natur. Ran war Kurosawas letzter epischer Film und sein mit Abstand teuerster: Gedreht mit französischen Geldern von Serge Silberman, kostete er 12 Millionen Dollar, was ihn damals zum teuersten japanischen Film machte. Die Dreharbeiten hatten bereits 1983 begonnen, wobei 1400 Uniformen und Rüstungen Verwendung fanden – entworfen von Emi Wada und geschneidert und künstlich gealtert über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die im Film präsenten 200 Pferde mussten zum Teil von Übersee eingeflogen werden, da es auf den japanischen Inseln nicht genug geeignete Tiere gab. Kurosawa beschloss zu dem, den Film inmitten der Berge und Ebenen des Berges Aso, Japans größtem aktivem Vulkan zu drehen. Zudem erreichte er es, auf den historischen Festungen Kumamoto und Himeji filmen zu dürfen. Der französische Essayfilmer Chris Marker filmte während der Dreharbeiten zu Ran die Dokumentation A.K. (1985), einen sehr intensiven Einblick in Kurosawas Regiearbeit. Dort relativiert dieser den vorangehenden Kagemusha als „Kostümprobe“ für Ran, den er als den eigentlichen Film zum Thema sah. Ran greift das Vater-Sohn-Motiv wieder auf, das er früher entwickelt hatte, nur dass es hier zum dreiteiligen ‚Motor’ des Geschehens wird. Und wie bei Kagemusha drehte Kurosawa hier im stark gemäßigten ‚europäischen’ Breitwandformat 1,66:1, was die Bildkomposition wieder eher in die Höhe orientiert (im Gegensatz zu seinem extremen Breitwandfilm Uzala etwa). Zudem kehrte Kurosawa zu dem Blutvergießen aus Yojimbo und Sanjuro zurück, was hier in expressiven Farben ästhetisiert wird.

Kagemusha – Der Schatten des Kriegers

Kagemusha

Japan/USA 1980

Deutscher Titel: Kagemusha – Der Schatten des Kriegers

Länge: 179 Minuten (japanische Fassung) / 159 Minuten (Exportversion).

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Masato Die, Akira Kurosawa

Produktion: Akira Kurosawa, Francis Ford Coppola, George Lucas

Musik: Shinichiro Ikebe

Kamera: Takao Saito

Schnitt: Don Guidice, Thomas Stanford, Fredric Steinkamp

Besetzung: Tatsuya Nakadai (Shingen / Kagemusha), Tsutomu Yamazaki (Nobukado Takeda), Hagiwara Kenichi (Katsuyori Takeda), Jinpachi Nezu (Sohachiro Tsuchiya), Hideji Otaki (Masakage Yamagata), Daisuke Ryu (Nobunaga Oda), Masayuki Yui (Ieyasu Tokugawa), Momoi Kaori (Otsuyanokata), Mitsuko Baisho (Oyunokata), Hideo Murota (Nobufusa Baba), Takayuki Shiho (Masatoyo Naito), Koji Shimizu (Katsusuke Atobe), Noburo Shimizu (Masatane Hara), Yamamoto Sen (Nobushige Oyamada), Shuhei Sugimori (Masanobu Kosaka).

Anmerkung: Japan 1572: Es herrscht eine Blutfehde zwischen den verfeindeten Clans der Städte Kamakura und Kyōto. Das Heer des Takeda-Clans bleibt siegreich, woraufhin der geschwächte Tokugawa-Clan seine Beziehungen zu portugiesischen Missionaren nutzt, seine Armee mit Musketen auszurüsten – ein enormer strategischer Vorteil gegenüber den konventionell bewaffneten Feinden. Fürst Shingen begnadigte einen alten Taschendieb, der zum Tode verurteilt war, denn dieser Mann ist sein perfekter Doppelgänger ist. Er will ihn zum „Kagemusha“ machen, zum „Schatten des Kriegers“, dem Stellvertreter. In einer unvorsichtigen Situation wird Takeda angeschossen und sein Double nimmt seine Position ein. Als der Fürst stirbt, wird seine Leiche mit Lack überzogen, und in voller Rüstung in eine riesige Urne eingeschlossen, die, in ein Tuch mit seinen Ehrenzeichen gewickelt, heimlich im Biwa-See versenkt wird. Der Kagemusha wächst nur zögerlich in seine neue Aufgabe hinein und wird von Alpträumen geplagt, doch mehr und mehr übernimmt er Takedas Machtposition und plädiert auf eine Friedenspolitik. Als er auch das Pferd seines Vorgängers nutzen möchte, verrät er sich jedoch, denn das Pferd scheut vor dem Doppelgänger und wirft ihn ab. Angetrieben von dem ohnehin eifersüchtigen Sohn Katsuyori Takeda wird der Bettler verstoßen. Katsuyori übernimmt die Leitung des Clans und führt nun die Kriegspolitik des Vaters fort. Er überzeugt seine Verbündeten zu einem neuen Angriff auf die Provinzen der Kansai-Gegend um Kyōto. Inzwischen haben die Verbündeten von Tokugawa aufgerüstet und bringen dem Takeda-Clan eine verheerende Niederlage bei. All dies verfolgt der ehemalige Kagemusha, der, völlig verwahrlost, nicht mehr aus seiner Rolle herausfindet. Nach der verlorenen Schlacht greift er sich von einem toten Samurai die Waffe und das Banner und stürmt auf die Palisaden der Verteidiger zu. Tödlich getroffen und blutüberströmt watet er zwischen den Leichen durch den Fluss, wo er im Wasser die Flagge des Fürsten schwimmen sieht. Wenige Augenblicke später treibt seine Leiche daneben. – Mit dem epischen jidai-geki Kagemusha kehrte Akira Kurosawa auf die internationalen Leinwände zurück und bekam umgehend die ‚Goldene Palme’ in Cannes verliehen. Dabei entstand der Film als japanisch-amerikanische Koproduktion: George Lucas und Francis Ford Coppola hatten 20th Century Fox überzeugt, die Weltrechte zu kaufen. Inhaltlich basiert der Film auf tatsächlichen historischen Ereignissen, vor allem der Schlacht von Nagashino 1575. Die Inszenierung folgt streng den verfügbaren Protokollen. Kurosawa hatte den Film ursprünglich komödiantisch angelegt und den berühmten Komiker Shintaro Katsu in der Titelrolle vorgesehen, er ersetzte ihn jedoch vor Dreharbeiten mit seinem Stammschauspieler Tatsuya Nakadai, der den Fürsten Takeda und den Kagemusha in einer Doppelrolle spielt. Auch Takashi Shimura ist in Kagemusha ein letztes mal in einem Kurosawa-Film zu sehen,  sein Auftritt als Diener, der einen westlichen Arzt begleitet, ist jedoch nur in der langen japanischen Version zu sehen. Laut George Lucas, verwendete Kurosawa 5000 Statisten für die letzte Schlachtsequenz bei den Dreharbeiten, dann schnitt er diesen Moment auf 90 Sekunden in der endgültigen Version. Ähnlich wie in Rotbart schien er das allzu offensichtliche Spektakel vermeiden zu wollen. Kagemusha hatte seine Premiere im Yurakuza Theater in Tokio am 27. April 1980, zu der sich zahlreiche Bewunderer versammelten (darunter Coppola, William Wyler, Arthur Penn, Sam Peckinpah, Terence Young, James Coburn und Peter Fonda).

Sanjuro

Tsubaki Sanjuro

Japan 1962

Deutscher Titel: Sanjuro

Länge: 96 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Ryuzo Kikushima, Hideo Oguni, Akira Kurosawa

Produktion: Kurosawa Film Production

Musik: Masaru Sato

Kamera: Fukuzo Koizumi

Besetzung: Toshiro Mifune (Sanjuro Tsubaki), Tatsuya Nakadai (Hanbei Muroto), Yuzo Kayama (Iiro Izaka, Anführer der Samurai), Yunosuke Ito (Mutsuta), Takako Irie (Mutsutas Frau), Reiko Dan (Mutsutas Tochter).

Anmerkung: Im Japan der Edo-Zeit versucht ein junger Samurai, Iiro Izaka, gegen die ausufernde Korruption im eigenen Clan anzugehen. Seinen acht befreundeten Samurai schildert er die Aussagen der beiden Clanführer – seines Onkels, der eine hohe Position innerhalb des Klans bekleidet, und Kikui, des Klanvorstehers –, während sich diese in einem abgelegenen Gebäude aufhalten. Izaka verdächtigt seinen Onkel der Korruption. Das Gespräch der jungen Samurai bekommt zufällig der im selben Raum übernachtende Rōnin Sanjuro mit. Sanjuro vermutet aufgrund seiner Erfahrung, dass nicht der abweisende Onkel, sondern der sich verständnisvoll gebende Kikui tatsächlich der Korruption schuldig und erheblich gefährlicher sei. Diese Warnung bestätigt sich umgehend, denn das Haus wird von den Männern Kikuis überfallen. Sanjuro kann lediglich durch eine List die jungen und unerfahrenen Krieger retten. Motiviert durch diesen Vorfall wird Sanjuro bald zum Meister der jungen Männer und hilft ihnen beim Kampf gegen den korrupten Vorsteher, der den Onkel, dessen Frau und Tochter bereits gefangen genommen hat, um den Onkel zum Seppuku zu zwingen. Zunächst befreien Sanjuro und die jungen Samurai die beiden Frauen. Anschließend nutzt Sanjuro den positiven Eindruck, den er bei dem Leibwächter und Truppenführer des Vorstehers Muroto hinterlassen hat und tritt zum Schein in dessen Dienst. Die neun jungen Männer sind irritiert, doch nachdem Sanjuro vier von ihnen das Leben gerettet hat, gehört ihm erneut das Vertrauen der Gruppe. Durch seine gespielte Loyalität gegenüber Muroto kann Sanjuro die Soldaten und Leibwächter aus dem Anwesen locken, das als Versteck für den Gefangenen dient. Izaka befreit den Onkel, die Wahrheit über Kikui wird aufgedeckt und seine Macht zerstört. Der Onkel möchte Sanjuro in den Clan aufnehmen, doch dieser befindet sich bereits auf Wanderschaft. Die jungen Samurai folgen Sanjuro und planen, ihn zum Bleiben zu überreden. Als sie ihn einholen, erscheint auch Muroto. Sanjuro  will aus Respekt und dem Wissen um die Sinnlosigkeit dieser Ehrverteidigung einem Kampf ausweichen, Muroto jedoch besteht darauf. Mit einem schnellen Bauchschnitt kann Sanjuro den Gegener töten. „Er war genau wie ich, ein nacktes Schwert, das nicht in seiner Scheide bleiben konnte,“ sind die letzten Worte Sanjuros, die sich auf eine Aussage der Ehefrau des Onkels zuvor beziehen. Die jungen Samurai gratulieren Sanjuro zu seinem Sieg, was dieser missbilligt, da der Kampf überflüssig gewesen sein. – Die Geschichte basiert weitgehend auf der Kurzgeschichte „Peaceful Days“ („Nichinichi hei-an“) von Shugoro Yamamoto und sollte ursprünglich der Vorlage getreu folgen. Nach dem weltweiten Erfolg von Yojimbo entschied das Studio Tōhō, den beliebten Antihelden in diesem Film auferstehen zu lassen, zumal Toshiro Mifune erneut in der Hauptrolle besetzt wurde. Kurosawa schrieb das Skript entsprechend um. Sanjuro ist stellenweise erstaunlich humorvoll – wie auch Yojimbo übrigens – und stellt auf diese Weise die Regeln und Werte, die im traditionellen jidai-geki vermittelt wurden, durch Ironisierung in Frage. Auch die Filmmusik leistet ihren Beitrag, indem sie westliche Orchestrierung mit traditionellen japanischen Percussions verknüpft. In dem Verhältnis zwischen den unerfahrenen jungen Samurai und dem abgeklärten Sanjuro taucht erneut das Schüler-Lehrer-Verhältnis auf, selbst wenn das im Verlauf nie deutlich thematisiert wird. In der Schlussszene wird Sanjuro jedoch deutlich als Sensei behandelt, worauf er nicht eingeht. Entgegen seinen Prinzipien muss Sanjuro Muroto töten, was von Kurosawa legendär inszeniert wurde: In einer klassischen kata-Form harren beide bewegungslos aus, bis Muroto sich bewegt. In einem ökonomischen, schnellen Schnitt durchtrennt Sanjuro dessen Baucharterie. Im Moment des Schnitts wird ein Kompressor mit Farbe aktiviert, der durch einen Schlauch literweise Blutfarbe aus dem Körper von Schauspieler Tatsuya Nakadai sprudeln lässt. Zufällig wurde dabei mehr Druck aktiviert als geplant, woraufhin eine neue Ästhetik von Gewalt im japanischen Film etabliert wurde. Ähnlich wie dem Comeshot im pornografischen Film wurde dieser blutige Exzess des herausspritzenden Blutes zum Standard in späteren jidai-geki-Produktionen. So kann Kurosawa als der unfreiwillige Erfinder dieser Tendenz in Japan gelten. – Visuell arbeitet der Film mit einer Reihe von inneren Rahmungen in der Bildkomposition. Diese massiven Begrenzungen innerhalb des Bildes erzeugen eine Form der Klaustrophobie, die in den engen, unübersichtlichen Straßen der Stadt ihre Entsprechung findet. Doch meist werden Intrige und Gegenintrige in engen und niedrigen Räumen gesponnen, auch einige der Kampfszenen finden hier statt. So ist Sanjuro über weite Strecken ein Kammerspiel mit zwielichtigen Helden – anders als Yojimbo, der meist im Freien spielt und wesentlich performativer inszeniert ist. Sanjuro erscheint dagegen fast statisch.

Yojimbo – Der Leibwächter

Yojimbo

Japan 1961

Deutscher Titel: Yojimbo – Der Leibwächter

Länge: 106 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Ryuzo Kikushima, Akira Kurosawa

Produktion: Akira Kurosawa

Musik: Masaru Sato

Kamera: Kazuo Miyagawa

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Toshiro Mifune (Sanjuro Kuwabatake), Tatsuya Nakadai (Unosuke), Yoko Tsukasa (Nui), Isuzu Yamada (Orin), Daisuke Kato (Inokichi), Atsushi Watanabe (Bestatter).

Anmerkung: Japan 1860: Ein Rōnin kommt in ein Dorf, in dem zwei rivalisierende Unternehmer, die Ushi-Tora und die Seibei, mittels Schlägerbanden um die Vorherrschaft kämpfen. Er quartiert sich im örtlichen Wirtshaus ein und beobachtet die Situation. Schließlich fasst er den listigen wie eigennützigen Plan, die Banden gegeneinander auszuspielen, mit dem Ziel, dass sie sich gegenseitig töten. Er besiegt drei Mitglieder der Ushi-Tora in einem offenen Kampf und bietet anschließend seine Dienste den Seibei an. Im Verlauf des Filmes wechselt er dann jedoch immer wieder die Seiten, da beide Banden von seiner Stärke profitieren und mit ihm die Rivalen besiegen wollen. Nur Unosuke, der Bruder des Anführers der Ushi-Tora, der erst später hinzukommt, misstraut dem Rōnin. Von einer Reise hat er einen Revolver mitgebracht, der ihm und seiner Bande gegenüber den mit Schwertern ausgestatteten Rivalen einen deutlichen Vorteil verschafft. Die Ushi-Tora können den Rōnin gefangen nehmen und die Seibei besiegen. Im Verlauf dieses Kampfes kann sich der Rōnin befreien und Unosuke und die Ushi-Tora im finalen Kampf besiegen. – Eine wichtige Quelle für diesen enorm einflussreichen chambara-Klassiker war der 1942 gedrehte Film noir-Klassiker The Glass Key / Der gläserne Schlüssel von Stuart Heisler, eine Adaption von Dashiell Hammetts 1931 veröffentlichtem Roman. Insbesondere die Szene, in der der Held von den Gangstern gefangen genommen und gefoltert wird, bevor er schließlich entkommt, kopiert das amerikanische Vorbild einstellungsgetreu. Die Handlung jedoch basiert auf einem anderen Hammett-Roman, seinem Debüt „Red Harvest“ (1929), in dem ein Privatdetektiv eine korrupte Stadt von rivalisierenden Gangsterbanden ‚reinigt’. Schon in der Eingangssequenz demontiert Kurosawa den Mythos des aufrechten (Samurai)Helden: Wir sehen bildfüllend den Rücken Mifunes, der sich am Kopf kratzt (wie in Rashomon ein Zeichen mangelnder Hygiene – Juckreiz durch Flohbefall). Er wirft eine Münze, als er an eine Weggabelung kommt. Er präsentiert sich durchweg als ambivalenter Charakter, mal hilfsbereit, gerecht und nobel im Sinne des bushido, mal zynisch, hinterlistig und grausam. Der Film suggeriert, dass in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist, der Mensch des anderen Menschen Wolf sein muss. Der Hund mit der abgetrennten Hand in der Schnauze zu Beginn lässt keinen Zweifel daran. Wie in Hammetts Vorlage ist der Held hier namenlos. Nach seinem Namen gefragt, bezieht er sich auf die Maulbeerbüsche, die er zuvor gesehen hat („Kuwabatake“). Sergio Leone inszenierte Yojimbo 1964 als Eurowestern Für eine Handvoll Dollar nach, mit dem Clint Eastwood den Typus des Revolverhelden ohne Namen im westlichen Kino etablierte. Kurosawa klagte erfolgreich seine Urheberschaft bei diesem Remake ein und wurde daraufhin an den Einnahmen beteiligt.

Die verborgene Festung

Kakushi Toride no San-Akunin

Japan 1958

Deutscher Titel: Die verborgene Festung

Länge: 139 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa

Produktion: Akira Kurosawa

Musik: Masaru Sato

Kamera: Kazuo Yamasaki

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Toshiro Mifune (General Rokurota Makabe), Misa Uehara (Prinzessin Yuki), Minoru Chiaki (Tahei), Kamatari Fujiwara (Matashichi), Susumu Fujita (General Hyoe Tadokoro), Takashi Shimura (General Izumi Nagakura).

Anmerkung: Japan im 16. Jahrhundert: Zwei verwahrloste Herumtreiber, Tahei und Matashichi, befinden sich auf der Flucht, da der Herrscher des Hauses Akisuki, in dessen Armee sie gedient hatten, besiegt wurde. Unterwegs finden sie zwischen Ästen versteckte Goldstücke aus dem Schatz der Akisuki, wodurch der ebenfalls flüchtige General Rokurota Makabe auf die Gauner  aufmerksam wird, der diesen Schatz in das befreundete Nachbarland schmuggeln soll. Er zwingt die beiden Männer, ihm als Träger zu dienen. Ihr Weg führt sie in ein hoch gelegenes Tal, gesäumt von steilen Bergen. Die Gruppe entdeckt einige Gebäude, eine Höhle und eine geheime Quelle, abgeschottet von der Außenwelt. In dieser verborgenen Festung treffen sie auf ein geheimnisvolles Mädchen, das sich ihnen anschließt. Getarnt als Holzsammler machen sich die drei Männer mit der Stummen, die tatsächlich die getarnte Prinzessin Yuki aus Hause Akisuki ist, auf eine gefährliche Reise. Immer wieder versuchen die beiden Träger Makabe zu überlisten und mit dem Goldschatz zu fliehen, doch sie stellen sich dabei so unbedacht an, dass sie die Gruppe statt dessen immer wieder in Gefahr bringen. Nachdem sie sich dank Makabes List und Kampfkraft aus mehreren scheinbar ausweglosen Situationen befreien konnten, werden sie kurz vor der Grenze doch noch von den feindlichen Armeen umstellt, die Prinzessin und Makabe geraten in Gefangenschaft und der Goldschatz fällt in die Hände des Feindes, nur Tahei und Matashichi können entkommen. In einer Gegenüberstellung von Prinzessin Yuki und Makabe mit dem gegnerischen General Tadokoro, einem alten Kampfgefährten von Makabe, der die Seiten gewechselt hat, berichtet Yuki von der Bedeutung, die die Reise für sie hatte: Aufgewachsen am Hof, hat sie ihr die Augen für die einfachen Leute, ihre Sorgen, ihr Leben, ihre Schwächen und Stärken geöffnet. Davon zeigt sich Tadokoro so beeindruckt, dass er meutert und mit den beiden flieht. Mit Hilfe des Goldschatzes gelingt es der Prinzessin, die Herrschaft ihres Hauses wieder zu errichten, und auch die beiden Gauner Tahei und Matashichi bekommen eine Belohnung. –Die verborgene Festung ist Kurosawas erster Film im Breitwand-Format, dem in Japan verbreiteten Tōhōscope, das er auch in den folgenden Jahren verwenden sollte. Es handelt sich dabei um einen epischen Abenteuerfilm mit aufwändigen Kampf- und Actionszenen, comic relief (vor allem in Gestalt der beiden Deserteure), einer für Kurosawa erstaunlich prägnanten Frauenfigur (Prinzessin Yuki) sowie einer ungewohnt geradlinigen Dramaturgie. Die verborgene Festung ist zugleich der Film Kurosawas, der global gleichermaßen gut funktionierte, da er die kulturelle Identität des historischen Japan vor allem als pittoresken Hintergrund nutzt.

Das Schloss im Spinnwebwald

Kumonosu-jo

Japan 1957

Deutscher Titel: Das Schloss im Spinnwebwald

Länge: 105 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto, Ryuzo Kikushima; nach einem Drama von William Shakespeare

Produktion: Akira Kurosawa, Sojiro Motoki

Musik: Masaru Sato

Kamera: Asakazu Nakai

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Toshiro Mifune (Taketori Washizu), Isuzu Yamada (Asaji, seine Frau), Akira Kubo (Yoshiteru Miki).

Anmerkung: Die Samurai Washizu und Miki sind nach erfolgreichem Kampf auf dem Rückweg zu ihrem Fürsten. Auf ihrem Weg verirren sie sich im legendären Spinnwebwald und treffen auf einen Geist, der Miki die Herrschaft über die ‚Erste Festung‘ und Washizu die Macht über das ‚Nordhaus’ prophezeit. Später soll Washizu zum Nachfolger des Fürsten werden, ein Sohn Mikis werde ihn aber ablösen. Noch am selben Tag bewahrheitet sich die erste Prophezeiung. Washizus machtgierige Frau Asaji bedrängt ihren Gatten, den Fürsten zu töten, um dessen Stelle einzunehmen und so die zweite Vorhersage zu erfüllen. Trotz erheblicher Gewissenskonflikte fügt sich Washizu und erlangt tatsächlich die Herrschaft über das Reich. Um den Rest der Prophezeiung nun zu verhindern, nötigt ihn Asaji, den Befehl zu geben, auch seinen Freund Miki und dessen Sohn zu töten – dann gehöre die Macht ihm und niemand wisse um die eigentliche Weissagung. Mikis Sohn kann dem Anschlag entkommen und verbündet sich mit dem Sohn des alten Fürsten. Als ihre Heere auf das Schloss marschieren, sucht Washizu noch einmal den Geist im Spinnwebwald auf. Dieser prophezeit Washizu, er könne so lange nicht besiegt werden, als nicht der Wald selbst an sein Schloss heranrücke. Voller Freude kehrt Washizu zurück und verkündet die Prophezeiung. Doch bald nähern sich die Bäume des Spinnwebwaldes tatsächlich, da das feindliche Heer diese als Deckung vor sich her trägt. Voller Furcht töten Washizus Männer ihren eigenen Anführer in einem Pfeilhagel. – Das Schloss im Spinnwebwald kann als freie Adaption von Shakespeares Drama „Macbeth“ gesehen werden, wobei Kurosawa im Rahmen seiner transkulturellen Übertragung keine Originaldialoge übernahm. Um eine mystische Umgebung zur Verfügung zu haben, ließ er den Außenbereich der Festung nahe dem heiligen Berg Fuji bauen. Der Schlosshof wurde dann in den Tamagawa Studios gebaut, in die der vulkanische Boden des Fuji-san gebracht wurde, so dass es keine Kontinuitätsprobleme gab. Die nebelüberzogenen Waldszenen waren eine Kombination von Aufnahmen des tatsächlichen Fuji-Bergwaldes und von Studioaufnahmen in Tokio. Washizus Herrenhaus wurde wie bei Die sieben Samurai auf der Izu-Halbinsel errichtet. Kurosawa nutzte den Nebel um Fuji-san als Basismotiv für den gesamten Film. Für Washizus berühmte Todesszene wurde Mifune mit echten Pfeilen beschossen, deren Richtung er mit abgesprochenen Gesten dirigierte. Dieser Authentizismus hilft Mifune zweifellos, die Todesangst zu vermitteln.

Die sieben Samurai

Shichinin no samurai

Japan 1954

Deutscher Titel: Die sieben Samurai

Länge: 207 Minuten, Deutsche Länge: 167 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto, Hideo Oguni

Produktion: Sojiro Motoki

Musik: Fumio Hayasaka

Kamera: Asakazu Nakai

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Takashi Shimura (Kambei Shimada), Toshiro Mifune (Kikuchiyo), Yoshio Inaba (Gorobei Katayama), Seiji Miyaguchi (Kyuzo), Minoru Chiaki (Heihachi Hayashida), Daisuke Kato (Shichiroji), Isao Kimura (Katsuhiro).

Anmerkung: Japan 1587: Ein kleines Bauerndorf wird jährlich von Banditen überfallen, die die mühsame Ernte ausplündern. Kurz bevor die nächste Ernte reif ist, entschließen sich die Bauern, Samurai zur Verteidigung anzuheuern, denn der Dorfälteste erinnert sich daran, dass er eine vergleichbare Situation bereits erlebt hatte: Als sein Heimatdorf von Banditen geplündert wurde, floh er; bei seiner Flucht passierte er ein Dorf, das unversehrt geblieben war, da die Dorfbewohner Samurai engagiert hatten.Die Bauern können die Samurai lediglich mit Verpflegung entlohnen, daher sind einige skeptisch und glauben, dass die Samurai zu stolz sind, um für diese Art von Lohn zu kämpfen. Daraufhin entgegnet der Dorfälteste, man müsse nur Samuari finden, die arm und hungrig genug seien: „Sogar der Bär verlässt seine Höhle, wenn der Hunger ihn treibt.“In mühevoller Suche finden sie sieben Kämpfer: den alternden Samurai Kambei, Katsuhiro, Heihachi, Gorobei, Shichiroji, Kyuzo und Kikuchiyo. Diese kämpfen für das Dorf, bilden die Bauern an improvisierten Waffen aus und besiegen am Ende die Banditen. Allerdings verlieren vier der Samurai ihr Leben bei diesem Kampf. – Kurosawas erster jidai-geki seit Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten, und zugleich seiner erster ernsthafter Historienfilm seit Die Legende vom großen Judo, gliedert sich in drei Teile: das Anwerben der sieben Samurai, die Vorbereitungen auf den Kampf gegen die Banditen und schließlich den finalen Kampf im Regen. Im ersten Teil werden alle Samurai in beispielhaften Momenten etabliert und erhalten so einen stark individualisierten Charakter. Dadurch ist das Verhältnis zum bushido ambivalent. Kurosawa plante ursprünglich einen Film über einen einzigen Tag im Leben eines Samurai, doch als er die Geschichte von den Bauern in Not hörte, schien ihm dies ein geeigneterer Stoff. Im Grunde gibt es in diesem Film sechs Samurai und einen inoffiziellen Anwärter (Mifune), der vermutlich selbst Bauernsohn ist und wenig vom Verhaltenskodex des bushido repräsentiert. Ähnlich wie der Räuber Tajumaro in Rashomon ist er sehr expressiv in seiner Körpersprache, trägt keine traditionelle Kleidung und wirkt auch sonst meist verroht. Im Laufe des Kampfes wächst er über sich hinaus, muss aber sein Leben lassen. Mifune bekam von Kurosawa während der 148 Drehtage viel Raum zur schauspielerischen Improvisation. Die Tōhō Studios sahen mit Sorge, wie das Budget immer weiter ausuferte, als Kurosawa ein ganzes Dorf für den Film auf der Halbinsel Izu aufbauen und wieder zerstören ließ. Die finale Schlacht sollte ursprünglich im Spätsommer gedreht werden, musste dann aber in winterlicher Kälte im Februar umgesetzt werden. Um den Schauspielern viel Raum für Improvisation zu geben und lange Szenen am Stück zu drehen, um die Authentizität zu erhöhen, entschied sich Kurosawa, mehrere Kameras mit langen Brennweiten einzusetzen, die sich nicht gegenseitig und den Akteuren in den Weg kommen würden. Auf diese Weise entwickelte er einen Stil, den er in den folgenden Jahren noch ausdifferenzierte.

Rashomon – Das Lustwäldchen

Rashomon

Japan 1950
Deutscher Titel: Rashomon – Das Lustwäldchen
Länge: 88 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa; nach zwei Kurzgeschichten von Ryunosuke Akutagawa
Produktion: Daiei
Musik: Fumio Hayasaka
Kamera: Kazuo Miyagawa
Schnitt: Akira Kurosawa
Besetzung: Toshiro Mifune (Tajomaru, der Bandit), Machiko Kyo (Masako, die Frau), Masayuki Mori (Takehiro, der Samurai), Kichijiro (Ueda), Takashi Shimura (Holzfäller), Minoru Chiaki (Mönch), Fumiko Honma (Geisterfrau).

Anmerkung: Man schreibt die Heian-Zeit (794-1184): Ein Holzfäller und ein Mönch suchen am ruinenhaften Stadttor ‚Rashomon’ (‚Geistertor’) in Kyoto Unterschlupf vor dem endlosen Regen. Ihr Dialog dient als Ausgangspunkt für eine komplexe Rückblende: Der Holzfäller hat vor drei Tagen im Wald die Leiche eines Samurai gefunden. Er berichtet von der darauf erfolgten Gerichtsverhandlung und den widersprüchlichen Zeugenaussagen. So konträr die Darstellungen auch scheinen mögen, jede Perspektive erfährt durch den suggerierten Realismus eine irritierende Objektivierung. Unbestreitbar ist, dass der Räuber Tajomaru vor den Augen des gefesselten Samurai dessen Ehefrau Masago vergewaltigte. Was danach geschah, erscheint je nach Blickwinkel verschieden. Dem Räuber zufolge forderte die Frau beide Männer zum Duell auf, woraus Tajumaru siegreich hervorgegangen sei. Masago will nach dem sexuellen Missbrauch ihren Mann gebeten haben, sie zu töten, doch dieser habe sie nur mit Verachtung gestraft, worauf sie ihn getötet habe. Durch den Mund eines Mediums spricht schließlich auch der Tote: Masago habe nach der Vergewaltigung mit Tajomaru gehen wollen und den Räuber gebeten, ihren Ehemann zu töten: doch Tajomaru sei verschwunden und der Samurai habe sich selbst entleibt. Der Holzfäller behauptet nun, dass er das Verbrechen selbst beobachtet haben und letztlich keine der Aussagen der Wahrheit entspreche: Die Männer seien nahezu hysterisch und blindwütig aufeinander losgegangen, nachdem die Frau sie als Feiglinge bezeichnet habe. „Das Entsetzliche ist, dass es keine Wahrheit zu geben scheint“, sagte der Mönch einleitend, und tatsächlich wird der wirkliche Tathergang nicht geklärt. Als der Regen aufhört, wird ein Kinderweinen hörbar. Der Holzfäller, selbst ein Lügner wie alle anderen, der vermutlich einen Diebstahl verdecken wollte, nimmt sich des ausgesetzten Babys an. –  Kurosawas viel diskutierter Film lenkte die internationale Aufmerksamkeit auf das japanische Kino, nachdem er auf dem Filmfestival in Venedig ausgezeichnet worden war. Der Film zeigt, dass die Menschen nicht leben können, ohne sich selbst zu belügen, ohne ihr Selbstbild zu schönen. In seiner Variantenmontage, die auf eine Ebene filmischer Objektivität verzichtet, und in seiner extrem dynamischen Bildsprache erscheint Kurosawas Werk noch heute frappierend modern. Er ähnelt in seiner episodischen Variantenstruktur späteren Filmen wie etwa Vantage Point / 8 Blickwinkel (2008) von Pete Travis. 1964 entstand mit Martin Ritts Western The Outrage / Carrasco der Schänder ein direktes Remake von Rashomon, in dem Kurosawa einen offiziellen Drehbuch-Credit erhielt.

Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten

Tora no o wo fumu otokotachi

Japan 1945
Deutscher Titel: Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten / Die Männer, die auf des Tigers Schwanz traten / Die Tigerfährte
Länge: 58 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Akira Kurosawa, Gohei Namiki
Produktion: Motohiko Ito
Musik: Tadashi Hattori
Kamera: Takeo Ito
Schnitt: Toshio Goto
Besetzung: Denjiro Okochi (Benkei), Susumu Fujita (Togashi), Ken’ichi Enomoto (Träger), Masayuki Mori (Kamei), Takashi Shimura (Kataoka), Akitake Kono (Ise), Yoshio Kosugi (Suruga).

Anmerkung: Japan gegen Ende des 12. Jahrhunderts: Der Clan Mimamotos hat gerade die Macht vom befeindeten Clan der Taira übernommen. Der junge Yoshitsune Mimamoto verdankt seinen kriegerischen Erfolgen große Beliebtheit, was die Eifersucht seines älteren Bruders, des Shoguns Yorimoto, auf sich zieht. Yoshitsune ist als Träger einer Gruppe Mönche verkleidet, die bei einem Grenzübertritt fast entlarvt wird, nach dramatischen Verwicklungen, in denen der eigentliche Thronfolger öffentlich gezüchtigt wird – aber ziehen darf. – Mit Tora no o wo fumu otokotachi drehte Kuosawa seinen dritten Jidai-geki, und zugleich den ersten, der unmittelbar in der Zeit der Samurai spielt, auch wenn man keine tatsächlichen Schwertkämpfe sieht (der Film kann daher nicht als chambara gelten). Zudem wurde von der Produktion nur ein Studio-Set bewilligt (der Grenzposten), die spärlichen anderen Szenen wurden on location im Wald und auf einer Lichtung gedreht. Bereits die erste Einstellung, die vom dichten Wald langsam aufzieht und die verkleideten Samurai durch das Geäst laufend zeigt, macht diesen reduzierten Stil deutlich, der sich zudem anbietet, da es sich um die Verfilmung eines bekannten Kabuki-Stückes handelt, das mit der Einheit von Zeit und Ort arbeitet. Das irritierendste Element des Films ist die ständige Präsenz des populären Komikers Denjiro Okochi, der als zweiter Träger und Narr das Geschehen mit expressivem Grimassieren kommentiert. Durch ihn kommt ein Element der Slapstickkomik in den Film, das in dem sonstigen Geschehen keine Entsprechung findet und uns in expressiven Nahaufnahmen performativ vor Augen geführt wird. Zudem bleiben die Motivationen der Figuren weitgehend undurchschaubar. So wird nie deutlich, ob die Grenzposten das falsche Spiel tatsächlich durchschauen und die Männer am Ende dennoch ziehen lassen. Die letzte Einstellung zeigt den aus einem Sake-Rausch erwachten Narren auf einem windumtosten Hügel – eine für Kurosawa auch später typische Landschaftstotale mit dramatisch anmutendem Himmel. Dies ist einer der wenigen Filme des Regisseurs, in dem Musical-Elemente vorkommen: In der Szene nach ihrem Entkommen feiern die Männer mit Sake und bitten den Träger zu tanzen und zu singen. – Aufgrund seiner feudalismuskritischen Tendenzen wurde der Film von den japanischen Behörden missbilligt und durfte nicht aufgeführt werden. Als die amerikanische Verwaltung Japans Filme mit Samurai-Thematik temporär verbot, konnte er auch dann nicht laufen, und es dauerte bis 1952, dass Die Männer, die auf des Tigers Schwanz traten in seinem Heimatland gezeigt werden konnte.