Rhapsodie im August

Hachigatsu no Rapusodi

Japan 1991

Deutscher Titel: Rhapsodie im August

Länge: 98 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Ishiro Honda (ungenannt)

Produktion: Hisao Kurosawa

Musik: Shinichiro Ikebe, Antonio Vivaldi, Franz Schubert

Kamera: Takao Saito, Masaharu Ueda

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Sachiko Murase (Kane), Hisashi Igawa (Tadao), Narumi Kayashima (Machiko), Tomoko Otakara (Tami), Mitsunori Isaki (Shinjiro), Toshie Negishi (Yoshie), Hidetaka Yoshioka (Tateo), Choichiro Kawarazaki (Noboru), Mieko Suzuki (Minako), Richard Gere (Clark).

Anmerkung: Eine ältere Frau in Nagasaki kümmert sich um ihre vier Enkelkinder während der Sommerferien. Die Kinder erfahren, dass ihre Großmutter eine Überlebende der US-Bomben auf Nagasaki 1945 ist und besichtigen die Stadt mit einem neuen Blick – im Bewusstsein der umfassenden humanitären Katastrophe, die hier einst stattgefunden hat, die auch ihren Großvater tötete. Als Clark, der amerikanische Neffe der alten Frau, in Japan zu Besuch kommt, kostet es die Kinder einige Überwindung, sich ihm – dem Halbjapaner – anzunähern. Erst gemeinsame Unternehmungen schaffen eine emotionale Basis für die Familie und den fremden Gast. In einer stürmischen Gewitternacht kehren die traumatischen Erinnerungen der Überlebenden zurück und es kostet ihre Enkel einige Mühe, die Situation in den Griff zu bekommen. – Der Film basiert auf Kiyoko Muratas Roman „In the Stew“, den Kurosawa während der Dreharbeiten zu Träume gelesen hatte, in dem es in einer Episode um eine ähnliche Thematik geht. Die traumatisierte Großmutter knüpft hier an den verstörten Protagonisten aus Ein Leben in Furcht an. In nur zwei Wochen entwickelte Kurosawa den Stoff, der ihm nach Träume erneut Gelegenheit gab, eine Vision der Atom(bomben)explosion zu inszenieren (hier in Form einer surrealen Überblendung zwischen Landschaft und Auge).  Richard Gere, die Wunschbesetzung für Clarke, verzichtete auf seine Millionengage und spielte für einen symbolischen Betrag und unter der Bedingung, dass seine Freunde vor Ort in Japan sein durften. Seine Dialogzeilen lerne er auf phonetischer Basis und konnte so all seine Zeilen selbst sprechen. In einer irritierenden Sequenz beobachten Clark und der kleine Shinjiro ein Trauerritual für die Bombenopfer, als der Junge eine Ameisenstraße entdeckt, die in den Wald führt. Es stellt sich als sehr schwierig heraus, die Tiere vor Ort zu aktivieren, also musste der Drehort gewechselt werden, um andere Höhenverhältnisse zu erzeugen. Rhapsodie im August ist das einzige von Kurosawas Spätwerken, das auf gemischte Reaktionen stieß, vor allem im Westen. Von amerikanischer Seite wurde kritisiert, dass der Regisseur das Bombentrauma einseitig darstelle, denn Japan erscheine als Opfer, währen die japanische Kriegsschuld verschwiegen werde; im Film wird die eigentliche Katastrophe den Amerikanern zugewiesen, während es Japan obliegt, diesen dafür zu verzeihen.