Uzala der Kirgise

Dersu Usala

UdSSR 1975

Deutscher Titel: Uzala, der Kirgise

Länge: 141 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Juri Nagibin

Produktion: Yoichi Matsue, Nikolai Sisow

Musik: Isaak Schwarz

Kamera: Fjodor Dobronrawow, Juri Gantman, Asakazu Nakai

Besetzung: Maxim Munsuk (Dersu Uzala), Juri Solomin (Captain Wladimir Arsenjew), Swetlana Daniltschenko (Frau Arsenjew), Dmitri Korschikow (Wowa), Suimenkul Tschokmorow (Jan Bao), Anmerkung: Basierend auf den Tagebüchern des russischen Forschers Vladimir Arseniev, beginnt der Film mit der Suche Arsenievs nach dem anonymen Grab des Fährtensuchers Dersu Uzala. Es folgt ein Rückblick in die Vergangenheit: Die Landvermesser-Truppe von Offizier Arseniev überzeugt den Nomaden Uzala, ihnen den Weg durch die Sikhote-Alin-Region der sibirischen Tundra zu zeigen – jenseits der bekannten Grenzen.  Zunächst als ungebildeter, exzentrischer alter Mann betrachtet, verdient der Fährtensucher nach und nach den Respekt der Soldaten aufgrund seiner großen Intelligenz, seiner wachen Instinkte, scharfen Beobachtungsgabe und seiner zutiefst humanen Lebenshaltung: Er repariert eine verlassene Hütte und hinterlässt Bestimmungen in einem Birken-Behälter, auf dass zukünftige Reisende in der Wildnis überleben können. Durch die genaue Analyse von Spuren verschafft er sich immer wieder ein treffendes Bild der Situation. Auf einem Höhepunkt des Films rettet er während eines heftigen Schneesturms Arsenievs Leben, indem er aus der Vermessungsausrüstung und Stroh eine Notunterkunft baut. Am Ende der Reise kehrt Uzala in die Wildnis zurück. Im zweiten Teil des Films begleitet Uzala erneut eine Expedition Arsenievs. Diesmal werden sie von einem Tiger belauert, den die Soldaten zu jagen beschließen. Entgegen seinen Überzeugungen tötet Uzala den Tiger, woraufhin er sich Vorwüfe macht: Er wollte Leben nur zur Selbsterhaltung nehmen. Seine Gesundheit wird schwächer, sein Körper scheint zu verfallen. Schließlich stimmt Usala zu, mit Arseniev in die Stadt zu ziehen, doch diese Entscheidung kommt einer Resignation gleich. Er stirbt einsam und anonym, weit weg von seinem ursprünglichen Lebensraum. – Mit russischen Geldern an russischen Originalschauplätzen dreht Kurosawa seinen ersten und einzigen Film im 70mm-Format. Uzala gewann den Hauptpreis und den Prix FIPRESCI beim 9. Moskauer Film Festival und 1975 den Academy Award für den besten fremdsprachigen Film. Da er auf historischen Ereignissen basiert, beschloss Kurosawa den Film an abgelegenen Originalschauplätzen zu drehen, was äußerste Strapazen für ihn selbst und das Team mit sich brachte. Thematisch untersucht der Film den Konflikt zwischen Natur und Kultur stellvertretend am Schüler-Lehrer-Verhältnis des Offiziers und des Fährtensuchers. Er diagnostiziert die sich ausbreitende Kultur als einen schädlichen Einfluss auf das naturverbundene Leben der indigenen Bevölkerung, die durch Uzala vertreten wird. Zudem sind die Kulturmenschen der feindlichen Umgebung fast hilflos ausgeliefert, während der alte Mann gelernt hat, mit – statt gegen – die Kräfte der Natur zu leben (ein Prinzip, das auch prägend für die japanischen  Kampfkünste ist). Utopisches und humanistisches Potential liegt in der langsamen Annäherung der grundverschiedenen Männer, die später eine tiefe Freundschaft verbindet. Visuell arbeitet Kurosawa mit oft klaren, kontrastreichen Farbbildern in erdbraunen und goldbraunen Tönen. Er lässt die Natur selbst die Palette bestimmen und nutzt ihre vorgegebene Schönheit, die er in langen Breitwandeinstellungen einfängt. Er überträgt uns den respektvollen Blick Uzalas, mit der dieser den Mond oder den Horizont betrachtet. Zweifellos ist Uzala eine Allegorie auf die voranschreitende Zerstörung der Natur durch den gierigen materialistischen Menschen, doch zugleich ist es Kurosawas explizitester Film über das Altern seit Ikiru. Er legt überdeutlich nahe, dass der von Schuld beladene Uzala, der gegen das Gesetz der Natur verstoßen hat, beschließt zu sterben. Sein Weg in die Zivilisation ist ein erster Schritt in sein anonymes Grab. Uzala ist Kurosawas wahrhaft antimodernes Statement.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s