Rotbart

Akahige

Japan 1965

Deutscher Titel: Rotbart

Länge: 185 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Ryuzo Kikushima, Akira Kurosawa, Hideo Oguni, Masato Ide

Produktion: Ryuzo Kikushima, Tomoyuki Tanaka

Musik: Masaru Sato

Kamera: Asakazu Nakai, Takao Saito

Besetzung: Toshiro Mifune (Dr. Kyojio Niide), Yuzo Kayama (Dr. Noboru Yasumoto), Kyoko Kagawa („Die Gottesanbeterin“), Terumi Niki (Otoyo).

Anmerkung: Edo im 19. Jahrhundert: Der junge Dr. Noboru Yasumoto wird an ein ländliches Krankenhaus versetzt, um seine postgraduale medizinische Ausbildung unter der Leitung von Dr. Kyojio Niide, genannt Rotbart, zu leisten. Yasumoto genoss eine westliche Ausbildung an holländischen Medizinschulen, um künftig Leibarzt des Shogun zu werden. Folglich empfindet er seine Versetzung in ein Armenhospital als entwürdigend. Auch den grimmigen Niide will er nicht anerkennen. Yasumoto bleibt arrogant, trägt weiterhin die Kleidung seines Standes (mit dem Kurzschwert wakizashi). Dr. Niide, der aus seiner Sicht als tyrannischer Herrscher erscheinen mag, ist tatsächlich ein zutiefst mitfühlender und sensibler Krankenhausleiter. Yasumoto verweigert das Essen, beschwert sich über die karge Wohnsituation und handelt auch sonst gegen die Regeln: So nähert er sich einer geheimnisvollen Patientin im „verbotenen Garten“, die angeblich nur Dr. Niide behandeln kann. Als er sich von der attraktiven jungen Frau verführen lässt, kann ihn Niide im letzten Moment retten, denn die Frau ist eine gefährliche Psychopathin – weshalb sie auch „Gottesanbeterin“ genannt wird. Erst langsam gliedert sich Yasumoto in den Klinikalltag ein und lernt, was Krankheit, Tod und Heilung wirklich bedeuten. Niide konfrontiert ihn bewusst mit Grenzsituationen: Er lässt ihn am Totenbett eines alten Mannes wachen. In der Begegnung mit realem Tod lernt Yasumoto seine eigenen Grenzen kennen und versteht, dass die Krankheit der Seele oft der Grund für die physischen Probleme ist. Im zweiten Teil hat der junge Arzt seinen Lehrer akzeptiert und bekommt von Niide seine erste Patientin: eine verstörte Zwölfjährige namens Otoyo, die in ein Bordell verkauft wurde und zur Prostitution gezwungen werden sollte. Das Mädchen zerstört seine Kleidung, erscheint apathisch und verwahrlost. Als Niide das Mädchen aus dem Bordell holen möchte, hetzt die Bordellchefin ihre Leibwächter auf ihn – doch Niide besiegt die Männer, indem er ihnen zahlreiche Knochen bricht. Im Folgenden kann Yasumoto das Vertrauen von Otoyo gewinnen und das Mädchen wieder in den Alltag eingliedern. Als das Ende seiner Ausbildung naht, beschließt er, seine eigentlichen Pläne aufzugeben und im Armenhospital bei Niide zu bleiben. Der ist zunächst wenig begeistert, akzeptiert jedoch – wie zuvor – auch diese Entscheidung. – Rotbart basiert auf der Kurzgeschichte von Shugoro Yamamoto „Akahige shinryotan“, wobei die zweite Hälfte um das Mädchen Otoyo Fjodor Dostojewskis Roman „Die Erniedrigten“ als Inspiration nutzt. Kurosawa sah hier die Möglichkeit, humanistische und existenzialistische Themen exemplarisch zu behandeln und blieb dabei seinen etablierten Motiven treu: das Schüler-Meister-Verhältnis, die Möglichkeit des edlen und pflichtbewussten Handelns im Sinne des bushido, der ungeschönte Blick in die Geschichte Japans – und die große Geste der Inszenierung. Der Film ist 185 Minuten lang und im Breitwandformat 2.35:1 schwarzweiß gefilmt. Erstmals verwandte Kurosawa den magnetischen 4-Spur-Stereo-Ton. Die Dreharbeiten dauerten zwei Jahre, denn für den Film wurde das Hospital und die anliegenden Häuser authentisch nachgebaut. Dafür fand sogar altes Holz aus historischen Bauwerken Verwendung. Während der Dreharbeiten besuchten Touristen diese bauten als handle es sich um historische Bauwerke. Dabei ist von dem monumentalen Bauten im Film nur selten etwas zu sehen, denn meist spielt er in Innenräumen. Die umfassenden Dachkonstruktionen sind nur während des Vorspanns zu sehen, selbst das aufwändige Kliniktor bekommt man nur ausschnittweise gezeigt. Obwohl der extrem teure Film viel Publikumsinteresse garantierte, wurde er 1965 als altmodisch abgetan, als Relikt des klassischen japanischen Kinos, das längst von der Nouvelle vague abgelöst wurde. Die langwierigen Dreharbeiten entfremdeten Kurosawa auch von seinem Lieblingsschauspieler Toshiro Mifune, der hier zwar eine atemberaubende Leistung liefert, danach aber nie mehr bei seinem Förderer zu sehen war. Auch sollte Rotbart der letzte Schwarzweißfilm Kurosawas bleiben. Rückblickend erscheint gerade dieser Film als vollkommendste Ausformung von Akira Kurosawas Blick auf das historische Japan im jidai-geki.

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