Madadayo

Madadayo

Japan 1993

Deutscher Titel: Madadayo

Länge: 134 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa

Produktion: Yasuyoshi Tokuma, Hisao Kurosawa, Gohei Kogure

Musik: Shinichiro Ikebe und Antonio Vivaldi

Kamera: Takao Saito

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Tatsuo Matsumura (Prof. Hyakken Uchida), Kyoko Kagawa (Frau des Professors), Hisashi Igawa (Takayama), Joji Tokoro (Amaki), Masayuki Yui (Kiriyama), Akira Terao (Sawamura).

Anmerkung: Kurosawas letzter Film Madadayo erzählt die Geschichte des Universitätsprofessors Hyakken Uchida (1889-1971) im Gotemba der vierziger Jahre. Nach einem Luftangriff beschließt er, sein Leben fortan als Schriftsteller zu verbringen und die Universität zu verlassen. Für seine Studenten, die jedes Jahr seinen Geburtstag feiern, hat er sich jedoch nie verändert. Rituell stellen sie immer wieder die Frage aus einem kindlichen Versteckspiel: „Mahda kai?“ („Noch nicht?“), um von ihm zu hören: „Madada yo!“ („Nein, noch nicht!“). In diesem Spiel verdeutlicht der Film die japanische Denkweisen in Form ihrer Alltagsrituale. – Kurosawas Inszenierung geht hier episodisch mäandernd vor und entwickelt keinen geradlinigen Plot. Vielmehr schien es ihm um die rituell strukturierten Situationen selbst zu gehen: Die Ehrerbietung der Schüler gegenüber ihrem Lehrer. Hauptdarsteller Tatsuo Matsumura war zur Zeit der Dreharbeiten bereits 79 Jahre alt. Er porträtiert den Professor im Alter zwischen 58 und 77 Jahren, war also tatsächlich älter als der Charakter in dem Film. Der größte Teil des Films spielt zwar vor dem Hintergrund der 1990er Jahre, spiegelt aber den soziokulturellen Hintergrund der 1940er Jahre, wodurch die Inszenierung oft antiquiert und nostalgisch erscheint. Auch erfährt man nie etwas über die akademische Arbeit des Professors, dessen Aura des charismatischen Lehrers unhinterfragt und behauptet erscheint. Kurosawa legte die Figur bewusst als eine Utopie an – wie die idealisierte, milde Erinnerung an einen wunderbaren, gealterten sensei. Uchida war allerdings tatsächlich ein sehr eigenwilliger Schriftsteller gewesen, mit einem besonderen, fremdartigen Humor, der vor allem aus seiner kindlichen Unbefangenheit resultierte, die sein erwachsenes Umfeld meist nur milde belächelte. Kurosawa muss diese kultivierte Naivität bewusst und willkommen gewesen sein, denn so gelang ihm ein mildes und in der Tat humanes Spätwerk, das auf versöhnliche Weise an frühere Themen anknüpft (das Lehrer-Schüler-Verhältnis, Traum und Vision, Kunst und Leben, Tragik und Komik) – aber vor allem: eine nunmehr dezente Ästhetik des langen Abschieds.

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