Ikiru

Japan 1952

Deutscher Titel: Ikiru – Einmal wirklich leben

Länge: 143 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto

Produktion: Sajiro Motoki

Musik: Fumiyo Hayasaki

Kamera: Asakazu Nakai

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Takashi Shimura (Kanji Watanabe), Shinichi Himori (Kimura), Haruo Tanaka (Sakai), Nobuo Kaneko (Mitsuo, Kanjis Sohn), Bokuzen Hidari (Ohara), Miki Odagiri (Toyo).

Anmerkung: Kanji Watanabe ist ein langjähriger Beamter in der Tokioer Stadtverwaltung, der wie seine Kollegen sein ganzes Berufsleben vor allem damit fristet, nichts sinnvolles zu tun, außer Akten zu häufen und Bittsteller weiterzuverweisen. Als er erfährt, dass er bald an Krebs sterben wird, will er seinem Leben endlich Sinn geben. Abends hört er, wie sein Sohn mit der Verlobten über seine Ersparnisse spricht und verlässt irritiert das Haus. In der Stadt trifft er einen Schriftsteller, der ihn durch die Spielhallen und Stripclubs des Nachtlebens führt, doch Watanabe entzieht sich bald. Als nächstes verbringt er Zeit gemeinsam mit Toyo, einer jungen Frau aus seinem Büro, doch nach einigen gemeinsamen Tagen beendet sie die merkwürdige Gemeinschaft. Watanabe erkennt, dass er auch durch sie dem Leben nicht näher kommen wird. Er kehrt in sein Büro zurück und besinnt sich eines Antrages, den er abgewiegelt hatte: Einige Frauen wollten den Bau eines Spielplatzes in ihrem trostlosen Viertel veranlassen. Wenig später ist Watanabe tot, und seine Kollegen reflektieren über seine letzten Woche. Watanabe hatte sich gegen den Widerstand der Ämter erfolgreich für den Spielplatz eingesetzt. Mitten in der Nacht stirbt er glücklich lachend auf der Schaukel. Die Kollegen beschließen betrunken, sich Watanabes Ambitionen zum Vorbild zu nehmen, doch das Ende des Films zeigt: Sehr bald verstecken sie sich wieder hinter ihren unbearbeiteten Aktenbergen. – Ikiru, ein durchaus sentimental angelegtes male melodrama genießt den Ruf eines japanischen Klassikers und wird oft von Regisseuren als Vorbild zitiert (u.a. Steven Spielberg). Dabei ist der Film durchaus komplex strukturiert: Er erzählt wesentliche Teile erst im Rückblick, in dem sich das Bild von Watanabe rundet. Ungeachtet aller Sentimentalität ist der Film sowohl traditionalistisch-konservativ geprägt – Watanabe findet das wesentliche Glück seines Lebens in der bedingungslosen Pflichterfüllung bis zu seinem Tod und entsagt den oberflächlichen Vergnügungen – als auch pessimistisch, denn er lässt keinen Zweifel daran, dass Watanabes vorbildhaftes Verhalten keine Spuren hinterlassen hat und die Beamten so korrupt sind wie zuvor. Ein humanistisch-rührseeliges Porträt des Alterns und Sterbens wird erst Kurosawas in der Tat letzter Film Madadayo bieten. Watanabe – von seinem acteur fétich Shimura gespielt – erscheint vielmehr als spätes Erbe des bushido in zivilem Kontext (dabei ist zu bedenken, dass gerade der Samurai-Stand in Friedenszeiten im Beamtentum aufging). Kurosawas Verdienst hier ist der zugleich distanzierte wie anteilnehmende Blick der Kamera, die Watanabes Empfindungen protokolliert und ihn in beispielhaften Vignetten inszeniert, die stets eine filmische Gegenwart behaupten und spürbar machen. Dabei entwickelt Kurosawa seinen visuellen Stil signifikant weiter, ironisiert und bricht seine Stilmittel gezielt (axialen Schnitt, Wischblenden, Gesichts-close-ups). Das Lied, das Kanji Watanabe in einem Schlüsselmoment singt, heißt „Gondola no uta“ (1915), ein Lied über Frauen und wie sie Liebe finden sollten, bevor die Zeit abgelaufen ist. Auch hier knüpft Kurosawa an seine Tradition an, an zentralen Stellen Lieder zu integrieren (oder ikonische Melodien, wie in Ein wunderschöner Sonntag, Rashomon u.a.).

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