Hakuchi

Japan 1951

Deutscher Titel: Der Idiot

Länge: 166 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Eijirô Hisaita; nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski

Produktion: Takashi Koide

Musik: Fumio Hayasaka

Kamera: Toshio Ubukata

Schnitt: Akira Kurosawa

Besetzung: Setsuko Hara (Taeko Nasu), Mori Masayuki (Kinji Kameda), Toshiro Mifune (Denkichi Akama), Yoshiko Kuga (Ayako), Takashi Shimura (Ono, Ayakos Vater), Chieko Higashiyama (Satako, Ayakos Mutter), Chiyoko Fumiya (Noriko), Eijirô Yanagi (Tohata), Minoru Chiaki (Mutsuo Kayama), Eiko Miyoshi (Madame Kayama), Noriko Sengoku (Takako), Mitsuyo Akashi (Madame Akama).

Anmerkung: Der Film basiert auf dem Roman „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewski. Darin kehrt ein russischer, unter Epilepsie leidender Fürst nach einem Aufenthalt im Sanatorium nach St. Petersburg zurück. Aufgrund seiner Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wird er von der dekadenten, intriganten Gesellschaft als ‚naiver Idiot‘ angesehen. Kurosawas Verfilmung des Stoffes als gendai-geki ist im winterlichen Nachkriegsjapan angesiedelt: Auf der Rückreise nach Hokkaido trifft der spielsüchtige, von seiner Familie verstoßene Denkichi Akama auf den Epileptiker Kenji Kameda (der Fürst bei Dostojewski), der gerade aus dem Sanatorium entlassen wurde. Die Männer werden zu Rivalen, als sie um die Gunst der schönen Taeko Nasu buhlen, die zugleich die ehemalige Geliebte eines Freundes der Familie Ono ist. Unterschiedliche Dreiecksverhältnisse zwischen den Protagonisten führen letztendlich zu Tod und Wahnsinn. Im Unterschied zum Roman, der in vier Teile unterteilt ist, besteht der Film aus zwei Abschnitten, die „Liebe und Qual“ und „Liebe und Hass“ betitelt wurden. Die Beziehung zwischen Kameda, Taeko und Akama bildet dabei den Kern des Films, doch auch Kamedas Zerrissenheit zwischen Taeko und Ayako, mit der er sich im späteren Verlauf des Films verlobt, spielt eine wesentliche Rolle. In einem zusätzlichen Dreiecksverhältnis verliebt sich Kayama, Onos Sekretär, in Ayako und sieht deshalb in Kameda einen Rivalen. Die primäre Dreiecksstruktur Kameda/Taeko/Akama wird unmittelbar zu Beginn des Films etabliert, als Akama Kameda ein Bild von Taeko im Schaufenster eines Ladens zeigt und von ihrer Schönheit schwärmt. In dieser Einstellung spiegeln sich Kameda und Akama im Schaufenster, das sie mit Taekos Fotographie verbindet (einer von Kurosawas auch sonst typischen ‚three-shots’). Diese Spiegelinszenierung macht zugleich den ideellen und illusorischen Charakter dieses Begehrensdreiecks deutlich, denn Taeko liebt Kameda zwar, doch will sie ihn, den Makellosen, und seinen Ruf, nicht durch ihre Schande als ‚gefallene Frau’ beschmutzen. So erwählt sie stattdessen Akama, der wiederum, zerfressen von der Eifersucht auf Taekos und Kamedas Liebe und im Wissen, dass er nur die zweite Wahl ist, am Ende Taeko ersticht. Diesem fatalen Gewaltakt geht die Zuspitzung einer anderen Dreiecksstruktur voraus: Nachdem die Onos in Kamedas und Ayakos Verlobung eingewilligt haben, enthüllt Ayako, von Taeko Briefe erhalten zu haben, in welchen diese sie bittet, Kameda zu heiraten. Ayako verlangt ein Treffen zu dritt. Bei diesem kommt es zu einem Missverständnis zwischen den Frauen: Während Ayako nicht begreift, dass Taeko sie insgeheim bewundert, empfindet Taeko die andere Frau als arrogant und hochnäsig, nicht ahnend, dass Ayakos Verhalten eher auf Unsicherheit und Eifersucht basiert. Im Film agieren Taeko und Ayako folglich als zwei konträre Repräsentationen von Weiblichkeit: die Hure und die Heilige. Wie Akama und Kameda bilden sie ihr jeweiliges Gegenstück mit Ayako als der guten Tochter und Taeko als der sündigen, gefallenen Frau. Nachdem Taeko Kameda auffordert, zwischen den beiden Frauen zu wählen, flieht Ayako, enttäuscht von Kamedas Zögern, aus Akamas Haus. – Der Idiot ist der Überkomplexität des Plots nicht immer inszenatorisch gewachsen, verdichtet das existenzielle Dreiecksdrama aber in streng stilisierten und mitunter visionären Bildern, die von ihrem schneebedeckten Schauplatz zehren. Kurosawas lange gehegtes Herzensprojekt, diesen Roman seines Lieblingsschriftstellers zu verfilmen, resultierte in einem monumental langen Melodram, das in seiner über vierstündigen Originalfassung jedoch vom Studio abgelehnt wurde und in dieser Form nicht erhalten ist. Die fast dreistündige Kinofassung transportiert jedoch die Essenz von Kurosawas Ambition: menschliche Fehlbarkeit, die Unfähigkeit, das Wahrhaftige zu erkennen und zu leben, in einem vielschichtigen Geflecht menschlicher Begierden zu erkunden. ‚A bright dark valley’ – die menschliche Seele.

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