Dodeskaden – Menschen im Abseits

Dodesukaden

Japan 1970

Deutscher Titel: Dodeskaden – Menschen im Abseits

Länge: 140 Minuten

Regie: Akira Kurosawa

Drehbuch: Akira Kurosawa

Musik: Tōru Takemitsu

Kamera: Yasumichi Fukuzawa, Takao Saitô

Schnitt: Reiko Kaneko

Besetzung: Yoshitaka Zushi (Roku-chan), Kin Sugai (Okuni), Toshiyuki Tonomura (Taro Sawagami), Shinsuke Minami (Ryotaro Sawagami), Yûko Kusunoki (Misao Sawagami),     Junzaburô Ban (Yukichi Shima), Kiyoko Tange (Mrs. Shima), Michio Hino (Mr. Ikawa),     Keiji Furuyama (Mr. Matsui), Tappei Shimokawa (Mr. Nomoto), Kunie Tanaka (Hatsutaro Kawaguchi), Jitsuko Yoshimura (Yoshie Kawaguchi), Hisashi Igawa (Masuo Masuda), Hideko Okiyama (Tatsu Masuda).

Anmerkung: Eine Müllkippe am Rande einer großen Stadt, Gegenwart: Der Film konzentriert sich auf das Leben einer Vielzahl von Charakteren, die ihr Dasein in Schmutz und Elend fristen. Wiederkehrende Schlüsselfigur ist ein geistig behinderte Junge, Rokuchan, der in seiner Phantasiewelt lebt und einen imaginären Zug durch die Müllkippe fährt: Er ist sowohl die Straßenbahn als auch der Fahrer und folgt einer festgelegten Route mit Zeitplan durch die Deponie. Der Filmtitel bezieht sich auf eine japanische Lautmalerei für den Klang eines Zuges während der Fahrt („Do-desu-ka-den do-desu-ka-den do-desu-ka-den“), die der Junge skandiert. Wir erleben den Alltag eines Bettlers, der mit seinem Kind in einem Autowrack haust, und mit lebhafter Phantasie prächtige, futuristische Villen imaginiert. Als das Kind an einer Vergiftung stirbt, ist der Vater nicht in der Lage, Hilfe anzunehmen – er bleibt in der Phantasie gefangen und imaginiert selbst das Grab des Kindes als einen luxuriösen Swimming Pool. Ein Puppenmacher zieht die unehelichen Kinder seiner Frau wie seine eigenen auf. Ein junges Mädchen muss von Papierblumen nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer kranken Tante finanzieren. Als sie vom Onkel vergewaltigt wird, rächt sie sich nicht an ihm, sondern verletzt einen Verehrer. Und über allem wacht der gütige alte Tamba, ein fürsorglicher ‚guter Geist’ des Elendsviertels, der sogar einen Mann, der ihn zuvor bestohlen hat, vor der Polizei schützt. – Dodeskaden war nach fünf Jahren die erste Filmproduktion, die Kurosawa mit der eigenen Firma umsetzen konnte. Sein erster Farbfilm dauerte in der ungekürzten Fassung über vier Stunden und wurde bereits in Japan auf fast die Hälfte gekürzt. Obwohl er eine Nominierung als „bester fremdsprachiger Film“ erhielt, hatte er in Japan fast keine Resonanz. Thematisch knüpft der Film deutlich an Nachtasyl an, vor allem, was seine episodische Struktur betrifft. Auch hier werden die humanistischen Ansätze – das tiefe Interesse am Leid der Randständigen und Marginalisierten – durch Kurosawas tiefen Pessimismus unterlaufen. Die Menschen könnten ihr Schicksal ändern – im Sinne des Existenzialismus’ –, doch sie sind in ihren starren Positionen gefangen, in denen sie fast apathisch ausharren. Formal arbeitet der Film nicht mit dem zu erwartenden harschen Realismus, sondern mit einer expressiven Farbigkeit, wie man sie auch in späteren Werken des Regisseurs findet. Die ästhetische Stilisierung schafft eine deutliche Distanz, die durch surreale Subjektivierungen (die Visionen des Bettlers) noch verstärkt wird. Die am Ende des Films zu sehenden Zeichnungen sind diesmal nicht von Kurosawa selbst, sondern entstammen tatsächlich Bildern aus Kinderhand. Takeshi Kitano, einer von Kurosawas Bewunderern, baute später in seinen eigenen Filmen ebenfalls mitunter naiv anmutende Zeichnungen und Gemälde ein (Hana-bi, Kikujiros Sommer), was ein Einfluss Kurosawas sein könnte.

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