Skandal

Shubun

Japan 1950
Deutscher Titel: Skandal
Länge: 104 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Produktion: Takashi Koide
Drehbuch: Akira Kurosawa, Ryuzo Kikushima
Musik: Fumio Hayasaka
Besetzung: Toshirô Mifune  (Ichirô Aoye), Shirley Yamaguchi             (Miyako Saijo), Yôko Katsuragi (Masako Hiruta), Noriko Sengoku (Sumie), Eitarô Ozawa (Hori), Takashi Shimura (Attorney Hiruta).

Anmerkung: Ichiro Aoye, ein bekannter Maler, begegnet während der Arbeit an einem Bild in den Bergen einer jungen klassischen Sängerin, Miyako Saijo. Da sie im selben Hotel wohnen, nimmt er sie auf seinem Motorrad mit zurück. Auf dem Weg dorthin werden sie von Paparazzi für das Klatsch-Magazin Amour gesichtet und beobachtet. Als sich Saijo weigert, den Fotografen ein Interview zu gewähren, rächen sich diese, indem sie ein Bild der beiden, die gemeinsam auf dem Balkon frühstücken und ihre Handtücher nebeneinander zum Trocknen aufgehängt haben, unter dem Titel „Die Liebesgeschichte von Miyako Saijo und Aoye“ veröffentlichen. Aoye ist durch diesen provozierten Skandal empört und plant, das Magazin zu verklagen. Während des anschließenden Medienrummels wird Aoye von dem heruntergekommenen Anwalt Hiruta unterstützt. Hiruta jedoch, der dringend Geld benötigt, um seine tuberkulosekranke Tochter Masako zu pflegen, nimmt zusätzlich Bestechungsgeld vom Herausgeber der Zeitschrift an, um den Prozess mit Absicht zu verlieren. Der Prozess scheitert entsprechend für Aoye. Hiruta wird daraufhin von seiner Schuld verzehrt, zumal seine Tochter ihm diese Korruption nicht vergibt. Masako stirbt in der Überzeugung, dass Aoye und Saijo den Prozess noch gewinnen können. Am letzten Tag des Prozesses bricht Hiruta zusammen, geplagt von seinem Gewissen, und gesteht seine Verfehlung, obwohl ihm daraufhin die Lizenz entzogen wird. – Skandal ist inspiriert von einem realen Vorfall, in dem Akira Kurosawa von der Presse eine Affäre mit der Schauspielerin Hideko Takamine unterstellt wurde. Und so gerät der Film zur harschen Polemik gegen den Missbrauch der Presse und deren Freiheiten, die nach westlichem Muster im Japan der Nachkriegszeit etabliert worden waren. Diese Polemik ist durchaus drastisch und pointiert erneut den Konflikt zwischen einem aufrichtigen Traditionalismus und einer korrupten Moderne. Die Zeichnung der Charaktere fügt sich nahtlos in dieses Modell und kennzeichnet sowohl die Presse als auch den schwachen Anwalt als Vertreter eines korrupten Systems. So hat auch die Inszenierung des Prozesses nichts von der Ambivalenz, die Kurosawas im selben Jahr entstandenen Rashomon auszeichnet (die frontal gefilmten Zeugenaussagen gleichen sich jedoch formal). Bei den Falschaussagen kommen erneut die Wischblenden zum Einsatz, und große Freude schien Kurosawa an der Inszenierung von Aoyes westlichem Lebensstil zu haben. Das prägnante Motorrad unterliegt als Motiv bereits dem Vorspann und wird auch später zum Schlüsselmotiv. Es verleiht dem hier etwas ungewöhnlich besetzten Mifune jenen rebellischen Charme, den er auch in den klassischen Rollen danach verströmt. Einige kleine Gesten (vor allem das Nasewischen und Kopfkratzen in Stresssituationen) schaffen zusätzlich Kontinuität. Wandlungsfähig erscheint dagegen Shimura in einer fast bemitleidenswerten Rolle als schäbiger, verarmter Anwalt, dessen verfallendes Büro zum Spiel seiner Psyche wird. Auch dieser Film kann wie Ein wunderschöner Sonntag und Das stumme Duell als Melodram betrachtet werden, das mit sorgfältig stilisierten Bildern ein Höchstmaß an Rührung anstrebt, vor allem in den Szenen zwischen dem korrupten Vater und seiner moralisch völlig reinen, aber todkranken Tochter. Hier wird eine Ebene der Moralisierung deutlich, die man mit Kurosawas oft beschworenem Humanismus verbinden könnte, die aber letztlich der skeptischen und pessimistischen Ambivalenz seiner späteren Werke unterlegen ist.

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