Rashomon – Das Lustwäldchen

Rashomon

Japan 1950
Deutscher Titel: Rashomon – Das Lustwäldchen
Länge: 88 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa; nach zwei Kurzgeschichten von Ryunosuke Akutagawa
Produktion: Daiei
Musik: Fumio Hayasaka
Kamera: Kazuo Miyagawa
Schnitt: Akira Kurosawa
Besetzung: Toshiro Mifune (Tajomaru, der Bandit), Machiko Kyo (Masako, die Frau), Masayuki Mori (Takehiro, der Samurai), Kichijiro (Ueda), Takashi Shimura (Holzfäller), Minoru Chiaki (Mönch), Fumiko Honma (Geisterfrau).

Anmerkung: Man schreibt die Heian-Zeit (794-1184): Ein Holzfäller und ein Mönch suchen am ruinenhaften Stadttor ‚Rashomon’ (‚Geistertor’) in Kyoto Unterschlupf vor dem endlosen Regen. Ihr Dialog dient als Ausgangspunkt für eine komplexe Rückblende: Der Holzfäller hat vor drei Tagen im Wald die Leiche eines Samurai gefunden. Er berichtet von der darauf erfolgten Gerichtsverhandlung und den widersprüchlichen Zeugenaussagen. So konträr die Darstellungen auch scheinen mögen, jede Perspektive erfährt durch den suggerierten Realismus eine irritierende Objektivierung. Unbestreitbar ist, dass der Räuber Tajomaru vor den Augen des gefesselten Samurai dessen Ehefrau Masago vergewaltigte. Was danach geschah, erscheint je nach Blickwinkel verschieden. Dem Räuber zufolge forderte die Frau beide Männer zum Duell auf, woraus Tajumaru siegreich hervorgegangen sei. Masago will nach dem sexuellen Missbrauch ihren Mann gebeten haben, sie zu töten, doch dieser habe sie nur mit Verachtung gestraft, worauf sie ihn getötet habe. Durch den Mund eines Mediums spricht schließlich auch der Tote: Masago habe nach der Vergewaltigung mit Tajomaru gehen wollen und den Räuber gebeten, ihren Ehemann zu töten: doch Tajomaru sei verschwunden und der Samurai habe sich selbst entleibt. Der Holzfäller behauptet nun, dass er das Verbrechen selbst beobachtet haben und letztlich keine der Aussagen der Wahrheit entspreche: Die Männer seien nahezu hysterisch und blindwütig aufeinander losgegangen, nachdem die Frau sie als Feiglinge bezeichnet habe. „Das Entsetzliche ist, dass es keine Wahrheit zu geben scheint“, sagte der Mönch einleitend, und tatsächlich wird der wirkliche Tathergang nicht geklärt. Als der Regen aufhört, wird ein Kinderweinen hörbar. Der Holzfäller, selbst ein Lügner wie alle anderen, der vermutlich einen Diebstahl verdecken wollte, nimmt sich des ausgesetzten Babys an. –  Kurosawas viel diskutierter Film lenkte die internationale Aufmerksamkeit auf das japanische Kino, nachdem er auf dem Filmfestival in Venedig ausgezeichnet worden war. Der Film zeigt, dass die Menschen nicht leben können, ohne sich selbst zu belügen, ohne ihr Selbstbild zu schönen. In seiner Variantenmontage, die auf eine Ebene filmischer Objektivität verzichtet, und in seiner extrem dynamischen Bildsprache erscheint Kurosawas Werk noch heute frappierend modern. Er ähnelt in seiner episodischen Variantenstruktur späteren Filmen wie etwa Vantage Point / 8 Blickwinkel (2008) von Pete Travis. 1964 entstand mit Martin Ritts Western The Outrage / Carrasco der Schänder ein direktes Remake von Rashomon, in dem Kurosawa einen offiziellen Drehbuch-Credit erhielt.

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