Kein Bedauern für meine Jugend

Waga Seishun Ni Kuinashi

Japan 1946
Deutscher Titel: Kein Bedauern für meine Jugend
Länge: 110 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Eijirô Hisaita, Akira Kurosawa, Keiji Matsuzaki
Produktion: Keiji Matsuzaki
Musik: Tadashi Hattori
Schnitt: Akira Kurosawa
Besetzung: Setsuko Hara (Yukie), Susuma Fujita (Ryukichi Noge), Akitake Kono (Itokawa), Denjirô Okochi (Professor Yagihara).

Anmerkung: Yukie ist die verwöhnte und naive Tochter des Professors Yagihara. Sie wird von zwei seiner Studenten, Ryukichi Noge und Itokawa, umworben, kann sich jedoch nicht zwischen ihnen entscheiden. Professor Yagihara wird wegen seiner liberalen Ansichten vom Hochschuldienst suspendiert, Noge schließt sich einer links-demokratischen Studentenorganisation an und wird bei einer Demonstration verhaftet, während Itokawa sich abwendet und in den Staatsdienst eintritt. Yukie verlässt ihr Elternhaus und zieht nach Tokio, wo sie nach einigen Jahren Itokawa begegnet, welcher inzwischen verheiratet ist. Er bringt sie mit Noge zusammen, der auch in Tokio lebt. Beide heiraten bald. Noge wird wegen seines linken politischen Engagements erneut, diesmal zusammen mit Yukie, verhaftet und stirbt im Gefängnis unter Fremdeinwirkung. Yukie wird entlassen und sucht Noges Eltern auf, die als Reisbauern in einem Dorf leben. Aufgrund der politischen Aktivitäten ihres Sohnes werden beide in der Dorfgemeinschaft gemieden und zum Teil tyrannisiert. Yukie gewinnt durch harte Arbeit und unerschütterlichen Willen schließlich die Anerkennung beider und schafft es, ihren Charakter zu stärken. – Dies ist Kurosawas deutlich politischster Film, der im Rahmen des von den amerikanischen Besatzern geforderten Demokratisierungsprogramms entstand. Während er in der ersten Hälfte stilistisch eher konventionell erscheint, ist Kurosawas Inszenierung in der Passage über das Landleben, in das sich das abtrünnige Großstadtmädchen flüchtet, deutlich in ihrem Element. Der Film betont einen Stadt-Land-Konflikt, der auch das nationale Dilemma zwischen Tradition und Moderne reflektiert – düstere, erdige Bilder beschließen einen Film, der auch inhaltlich die Abkehr von der militaristischen Diktatur, in die die aufziehende Moderne in Japan mündete, vorführt. Obwohl auch dieser Film retrospektiv eher untypisch erscheint, ist er aufgrund seines expliziten politischen Gehalts interessant für Kurosawas Perspektive auf sein Heimatland zu dieser Zeit. – Der aus Kein Bedauern für meine Jugend entlehnte Satz „Ich bereue nichts“ wurde zu einem Schlagwort seiner Zeit und fand Verwendung in den tagesaktuellen Medien. Der Film entstand zwischen den beiden großen Streiks der Tōhō, zwischen Februar und Oktober 1946, in nur zweimonatiger Arbeit. Durch einen Sieg beim ersten Streik bekam die Tōhō-Betriebsgewerkschaft einen starken Machtzuwachs. Die Anzahl der KP-Mitglieder nahm zu, wodurch ihre Stimme in der Filmproduktion deutlich mehr Gewicht bekam. Sie gründeten ein Komitee zur Prüfung von Drehbüchern, das Kurosawa zwang, sein Drehbuch umzuschreiben und so eine überarbeitete Fassung zu drehen: Zur selben Zeit existierte ein eingereichtes Drehbuch mit einem ähnlichen Stoff zum Inhalt; Kurosawa allerdings war der Ansicht, dass diese beiden Drehbücher den Stoff auf sehr unterschiedliche Weise angingen und deshalb zwei unterschiedliche Filme herauskommen würden. Das Komitee verwarf dies, aber einige Mitglieder stimmten ihm nach Beendigung der Dreharbeiten dann doch zu. Zudem fanden in der Nachkriegszeit eine Landreform und eine Auflösung japanischer Großkonzerne durch das von den amerikanischen Besatzern eingesetzte GHQ statt. Deshalb wurde Kurosawa durch die Unternehmensgewerkschaft der Tōhō dazu genötigt, diesen Umstand mit einzubeziehen, was er  im letzten Drittel seines Films umsetzte.

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