Judo Story – Die Legende vom großen Judo

Sugata Sanshiro

Japan 1943

Deutscher Titel: Die Legende vom großen Judo
Länge: 80 Minuten / Original: 97 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Akira Kurosawa
Produktion: Keiji Matsuzaki
Musik: Seiichi Suzuki
Kamera: Fukuzo Koizumi
Schnitt: Akira Kurosawa, Toshio Goto
Besetzung: Denjiro Okochi (Shogoro Yano), Susumu Fujita (Sanshiro Sugata), Yukiko Todoroki (Sayo Murai), Ryunosuke Tsukigata (Gennosuke Higaki), Takashi Shimura (Hansuke Murai, Sayos Vater), Ranko Hanai (Osumi Kodana), Sugisaku Aoyama (Tsunetami Iimura), Ichiro Sugai (Polizeichef Mishima), Yoshio Kosugi (Meister Saburo Kodama), Kokuten Kodo (Buddhistischer Priester), Michisaburo Segawa (Wada), Akitake Kono (Yoshima Dan), Shoji Kiyokawa (Yujiro Toda), Kunio Mita (Kohei Tsuzaki), Akira Nakamura (Toranosuki Niiseki).

Anmerkungen: Kurosawas Debütfilm basiert auf einem zeitgenössischen Bestseller über die Abspaltung des Judo von der traditionellen Selbstverteidigungssportart Jiu-Jitsu. Der Film spielt in der Meiji-Ära Ende des 19. Jahrhunderts und zeigt eine Vorform des späteren Sport-Judo, aus dem alle Schlag- und Tritttechniken sowie viele Hebel- und Würgegriffe getilgt wurden. Obwohl Judo übersetzt „sanfter Weg“ heißt und vor allem auf der energetischen Ableitung von feindlicher Energie und Nachgeben basiert, sind die Kämpfe in diesem Film von tödlicher Verbissenheit. Ziel ist mitunter die Tötung des Gegners, die hier konsequenzlos hingenommen wird: Sanshiro, ein kräftiger und beharrlicher junger Mann, kommt in die Stadt, um Lehrling in der Jiu-JitsuSchule von Shimnei zu werden. In seiner ersten Nacht wird er Zeuge, wie Angehörige und Meister dieser Schule den konkurrierenden Judo-Meister Shogoro Yano überfallen, der diese jedoch alle besiegt. Fasziniert von dessen spirituellem Ansatz bittet Sanshiro darum, Yanos Student sein zu dürfen. Doch in seinem Ungestüm benutzt der junge Mann die Judotechniken, um Passanten zu beeindrucken, woraufhin ihn sein Lehrer Yano zurechtweist und verstößt. Nicht nur die Technik zähle, sondern auch Satori“, die Ruhe und der Einklang mit dem natürlichen Gesetz. Trotzig springt Sanshiro in einen Teich, wo er die ganze Nacht an einen Holzpfahl geklammert verharrt. Als er im Morgengrauen eine sich öffnende Lotusblüte sieht, ist er geläutert und unterwirft sich Yano erneut. Er vertritt die Judo-Schule in einem Wettstreit um das Trainingsprogramm der Polizei, das sich zwischen traditionellem Jiu-Jitsu und dem jüngeren Judo entscheidet. Doch zuvor begleicht er die Rechnung mit der Shimnei-Schule: In einem Wettkampf tötet er den Gegner durch einen Judowurf. Doch es bleibt die Rivalität mit Gennosuke Higaki, einem an westlichen Idealen orientierten Jiu-Jitsu-Meister. Sanshiro tritt gegen dessen alten Lehrer Hansuke Murai an, von dem Higaki glaubt, nur er könne den neuen Judo-Meister besiegen. In einem Tempelbezirk tritt Sanshiro auf Sayo, Muaris Tochter, in die er sich verliebt – doch die Rivalität zu ihrem Vater trübt das Verhältnis. In einem ausdauernden Kampf gelingt es Sanshiro, Murai zu erschöpfen, bis dieser aufgibt. Voller Respekt besucht der junge Champion Vater und Tochter, wobei er erfährt, dass Sayo bereits Murais Schüler Higaki versprochen ist. Der eifersüchtige Higaki übergibt Sanshiro einen Brief, der diesem zum entscheidenden Endkampf herausfordert. Auf einer sturmgepeitschten Hochebene stürzen sich die Männer aufeinander. Higaki scheint Sanshiro zu bezwingen, doch dieser sieht erneut die aufblühende Lotusblüte vor sich und versteht das Geheimnis der „Ruhe“ im Kampf. So bezwingt er den Gegner. In einem Epilog unterhalten sich die alten Meister über Sanshiros Naivität, während dieser Sayo verspricht, bald zurückzukehren. – Die japanische Kriegszensur ließ 18 Minuten aus dem Film entfernen, um bestimmte Elemente (u.a. Alkoholismus) abzuschwächen. Diese Szenen wurden später wiedergefunden und liegen u.a. der britischen BFI-DVD als Bonusmaterial bei. Im Film werden die entstandenen Ellipsen durch Schrifttafeln ersetzt. Von Kurosawas typischen Themen finden sich hier vor allem das Lehrer-Schüler-Verhältnis, sowie die Kontinuität des bushido im Ehrenkodex der Jiu-Jitsu- und Judo-Kämpfer. Stilistisch finden sich hier bereits die horizontalen und vertikalen Wischblenden, die den Szenenübergang beschleunigen. Ebenso findet sich in der collagehaften Montage eine Ökonomisierung der Zeit, etwa, wenn sich Sanshiro seiner Holzpantinen entledigt und wir in mehreren Einstellungen deren weiteren Weg verfolgen können, was das Vergehen der Zeit veranschaulicht. Im finalen Kampf auf einer sturmgepeitschten Wiese spiegelt die Natur das aufgewühlte Innenleben der Handelnden, die teilweise in kontrastiven Nahaufnahmen ihrer Gesichter konfrontiert werden, dynamisierende Stilmittel, die später den Stil des Eastern und des Italo-Western prägen werden.

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