Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten

Tora no o wo fumu otokotachi

Japan 1945
Deutscher Titel: Die Männer, die dem Tiger auf den Schwanz traten / Die Männer, die auf des Tigers Schwanz traten / Die Tigerfährte
Länge: 58 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Drehbuch: Akira Kurosawa, Gohei Namiki
Produktion: Motohiko Ito
Musik: Tadashi Hattori
Kamera: Takeo Ito
Schnitt: Toshio Goto
Besetzung: Denjiro Okochi (Benkei), Susumu Fujita (Togashi), Ken’ichi Enomoto (Träger), Masayuki Mori (Kamei), Takashi Shimura (Kataoka), Akitake Kono (Ise), Yoshio Kosugi (Suruga).

Anmerkung: Japan gegen Ende des 12. Jahrhunderts: Der Clan Mimamotos hat gerade die Macht vom befeindeten Clan der Taira übernommen. Der junge Yoshitsune Mimamoto verdankt seinen kriegerischen Erfolgen große Beliebtheit, was die Eifersucht seines älteren Bruders, des Shoguns Yorimoto, auf sich zieht. Yoshitsune ist als Träger einer Gruppe Mönche verkleidet, die bei einem Grenzübertritt fast entlarvt wird, nach dramatischen Verwicklungen, in denen der eigentliche Thronfolger öffentlich gezüchtigt wird – aber ziehen darf. – Mit Tora no o wo fumu otokotachi drehte Kuosawa seinen dritten Jidai-geki, und zugleich den ersten, der unmittelbar in der Zeit der Samurai spielt, auch wenn man keine tatsächlichen Schwertkämpfe sieht (der Film kann daher nicht als chambara gelten). Zudem wurde von der Produktion nur ein Studio-Set bewilligt (der Grenzposten), die spärlichen anderen Szenen wurden on location im Wald und auf einer Lichtung gedreht. Bereits die erste Einstellung, die vom dichten Wald langsam aufzieht und die verkleideten Samurai durch das Geäst laufend zeigt, macht diesen reduzierten Stil deutlich, der sich zudem anbietet, da es sich um die Verfilmung eines bekannten Kabuki-Stückes handelt, das mit der Einheit von Zeit und Ort arbeitet. Das irritierendste Element des Films ist die ständige Präsenz des populären Komikers Denjiro Okochi, der als zweiter Träger und Narr das Geschehen mit expressivem Grimassieren kommentiert. Durch ihn kommt ein Element der Slapstickkomik in den Film, das in dem sonstigen Geschehen keine Entsprechung findet und uns in expressiven Nahaufnahmen performativ vor Augen geführt wird. Zudem bleiben die Motivationen der Figuren weitgehend undurchschaubar. So wird nie deutlich, ob die Grenzposten das falsche Spiel tatsächlich durchschauen und die Männer am Ende dennoch ziehen lassen. Die letzte Einstellung zeigt den aus einem Sake-Rausch erwachten Narren auf einem windumtosten Hügel – eine für Kurosawa auch später typische Landschaftstotale mit dramatisch anmutendem Himmel. Dies ist einer der wenigen Filme des Regisseurs, in dem Musical-Elemente vorkommen: In der Szene nach ihrem Entkommen feiern die Männer mit Sake und bitten den Träger zu tanzen und zu singen. – Aufgrund seiner feudalismuskritischen Tendenzen wurde der Film von den japanischen Behörden missbilligt und durfte nicht aufgeführt werden. Als die amerikanische Verwaltung Japans Filme mit Samurai-Thematik temporär verbot, konnte er auch dann nicht laufen, und es dauerte bis 1952, dass Die Männer, die auf des Tigers Schwanz traten in seinem Heimatland gezeigt werden konnte.

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