Das stumme Duell

Shizukanaru Ketto

Japan 1949
Deutscher Titel: Das stumme Duell
Länge: 95 Minuten
Regie: Akira Kurosawa
Produktion: Daiei
Drehbuch: Senkichi Taniguchi
Musik:  Akira Ifukube
Kamera: Soichi Aisaka
Besetzung: Toshirō Mifune (Dr. Kyoji Fujisaki), Takashi Shimura (Dr. Konosuki Fujisaki), Noriko Sengoku (Schwester Rui Minegishi), Miki Sanjo (Maso Matsumoto), Kenjiro Oemura (Susumu Nakada).

Anmerkung: Während des Krieges (1944) infiziert sich der junge Arzt Dr. Kyoji Fujisaki mit Syphilis, als er sich bei einer Operation verletzt und ungeschützt weiterarbeitet. Jahre später arbeitet er in der Klinik seines Vaters Dr. Konosuki Fujisaki in einem kleinen und schäbigen Viertel. Heimlich behandelt er seine Krankheit durch regelmäßige Injektionen von Salvarsan selbst. Obwohl er sich moralisch nichts vorzuwerfen hat, kann er seine Verlobung mit Misao Matsumoto mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren und löst diese zunächst ohne weitere Erklärungen. Misao ist verzweifelt und beschließt, entgegen ihren eigentlichen Gefühlen einen anderen Mann zu heiraten. Überraschend trifft Kyoji auf Susumu Nakada, jenen Soldaten aus dem Kriegslazarett, bei dem er sich infiziert hatte. Dieser hat in Ignoranz seiner Krankheit auch seine Frau angesteckt, die zudem schwanger ist. Kyoji macht dem Mann klar, dass er und sein Kind hoffnungslos verloren sind, dass man die Frau aber noch rechtzeitig behandeln könne. Doch Nakada reagiert aggressiv und als das Kind missgebildet geboren wird, verfällt er dem letzten Stadium seiner Krankheit. Misao bietet Kyoji noch einmal an, zu ihm zurückzukehren, doch er weist sie zurück. Nakadas Frau kann gerettet werden und Kyoji beschließt, sich fortan nur noch seiner Arbeit zu widmen und Menschen zu helfen. – Das stumme Duell – der Titel bezieht sich auf den inneren Kampf Kyojis – funktioniert nach den Konventionen eines ‚male melodrama’ im Kontext des Arztfilms. Kurosawas Inszenierung ist jedoch sichtlich bemüht, die Konstruiertheit und Trivialität des Plots mit einem visuellen Stil zu überspielen, der am ehesten mit seinen Noir-Filmen vergleichbar ist. So arbeitet er mit extrem kontrastreichen Chiaroscuro-Kompositionen – vor allem in den Klinikräumen –, einem stark psychologischen und emotionalisierten Schauspiel (in einer Schlüsselszene lässt er Mifune gar wimmern und weinen) und nutzt vor allem in der dramatischen Eröffnungssequenz (im Kriegslazarett) einen Gewittersturm als zusätzliche Intensivierung. Das stumme Duell kann als einer von Kurosawas realistischen, ‚westlichen’ Filmen gesehen werden und funktioniert nach generischen Gesichtspunkten noch heute. In seiner Autobiografie äußert sich Kurosawa ambivalent über diese erste Auftragsarbeit für Daiei. Er lobt Mifune, der erstmals in einer nicht ‚toughen’ Rolle zu sehen war und beschreibt seine intensiven Gefühle bei Mifunes Gefühlsausbruch in der Geständnissequenz. Nach seinem Ausscheiden bei Tōhō sei dieser Film wie ein zweites Debüt gewesen. Obwohl der selten gesehene Film zweifellos nicht zu seinen Stärksten gehört, sind die Eröffnungsmomente von hoher inszenatorischer Intensität.

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